Während die Berliner Sendeaufsicht dem evangelischen Radio Paradiso bald den Saft abdreht, sammelt das katholische Dom-Radio aus Köln munter UKW-Frequenzen.von STEFFEN GRIMBERG

Wir sind im Namen des HERRN unterwegs: Dom-Radio (im Trainingsanzug) beim Kirchentag. Bild: th. dashuber/agentur focus
BERLIN taz | Von Berlins Taxifahrern ist nicht bekannt, ob sie im christlich-landläufigen Sinne besonders gläubig sind. Doch sie haben einen Lieblingssender: Radio Paradiso, jenes Klangwunder der evangelischen Kirche, dessen ModeratorInnen immer derart beseelt klingen, wie es sich wohl nur durch jahrelangen Manna-Missbrauch erklären lässt.
Doch bald ist Schluss mit guter Laune, gefolgt von unvermeidlichem WhitneyPhillCollinsHouston-Gedudel: Die Medienanstalt Berlin Brandenburg (MABB) hat die Lizenz des 1996 vom Evangelischen Presseverband Nord gegründeten Senders nicht verlängert. Da hat nicht einmal genutzt, jede Stunde mit "Gedanken zum Auftanken" (klingt ja auch irgendwie wieder nach Taxi) aufzuhübschen. Zwar heißt es schon in der Schrift, an ihren Worten sollt ihr sie erkennen. Doch nachdem sich in den letzten Jahren der Wortanteil bei Radio Paradiso von gut drei auf nur noch etwas über eine Stunde reduziert hatte, wurde die MABB alttestamentarisch: Das Profil des Senders gehe verloren, vom "christlichen Radio" sei nicht mehr viel zu spüren bei der Station, die sich selbst als "Berlins erster Wellnesssender" vermarktet.
"Nach Würdigung der gesetzlichen Kriterien unter angemessener Berücksichtigung des Interesses des bisherigen Veranstalters an der Fortsetzung des Sendebetriebes" habe man einem anderen Sender den Vorzug gegeben, heißt es in einer Mitteilung der MABB. Am 30. 11. soll Schluss sein. Intern ist zu hören, Radio Paradiso habe aus Kostengründen den Wortanteil nicht wie von der MABB gewünscht erhöhen können. Die EKD ist empört: Nun müsse "rechtlich alles unternommen werden", um den Verlust der Sendeerlaubnis noch zu verhindern, sagte EKD-Medienreferent Udo Hahn der Agentur epd. Das Votum der MABB schränke den kulturellen Auftrag der Kirche ein. Zugleich würden "Investitionen in Millionenhöhe vernichtet". Allein: Auf Radio Paradiso gibt es derzeit nicht mal Liveberichte vom Ökumenischen Kirchentag.
Während das evangelische Radio von der Spree nun vor seiner Vertreibung aus dem Schnuffelrock-Paradies steht, läuft am Rhein ein ganz anderer Kanal zu Hochform auf: Das katholische Dom-Radio aus Köln (Motto: "Der gute Draht nach oben") feiert Pfingsten seinen zehnten Geburtstag - und sammelt immer mehr der begehrten UKW-Frequenzen: Köln, Fulda, auch in der Hans-Leyendecker-Stadt Leichlingen und in Burscheid, ja sogar im rheinland-pfälzischen Bretzenheim an der Nahe ist man heute schon zu empfangen. Und während Radio Paradiso mit fragwürdigen Aktionen wie "1000 Babys für Berlin" die Gebärfreude der Hauptstädter anfachen wollte, bleibt Dom-Radio hübsch bescheiden: Die 616 D-Mark für den unnötigen Feuerwehreinsatz zum Sendestart 2000, als zu viel Weihrauch den Alarm auslöste, wurden offenbar brav bezahlt.
Doch nicht etwa die glücklichen Katholen bekommen die frei werdende Paradiso-Frequenz in der gottlosen Hauptstadt. Sondern die Schlagerdudler von "Oldiestar" aus Brandenburg. Und was lief da, als dieser Artikel geschrieben wurde? Whitney Houston natürlich.
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Leserkommentare
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Während freie WLAN-Netze vom BGH torpediert werden, breitet sich die Inquisition aus. Wie wäre es mit einer Haushaltsabgabe ...
14.05.2010 01:00 | Cäsarius
Das ist echt ein dumm geschriebener Bericht!