Zorro soll zu Hause bleiben

Ein Film von der Qualität eines Grundnahrungsmittels: Martin Campbells Mantel-und-Degen-Variation „Die Legende des Zorro“ sättigt, ist aber auch fade. Es gibt viele schöne Actionszenen, doch Antonio Banderas in der Hauptrolle bleibt ungelenk

Einerseits sind Filme wie dieser schuld an der gegenwärtigen Kinoflaute. Nichts an der „Legende“ will auch nur ansatzweise originell sein, handelt es sich doch um das Sequel zu einem Film, der selbst schon Hommage war an ein Genre, das längst untergegangen ist. „Die Legende des Zorro“ ist ein Film so vollkommen ohne Überraschungen selbst in seinen haarsträubendsten Wendungen, dass man ihn zu Recht als überflüssig bezeichnen könnte. Andererseits jedoch kommen solche Filme einem Grundnahrungsmittel gleich: erholsam fade im Geschmack, schnell sättigend und deshalb bei entsprechender Laune äußerst zufrieden stellend.

Hinzu kommt, dass „Die Legende“ eine sympathisch nachlässige Collage von Versatzstücken bietet: Der zentrale Bösewicht verbirgt auf seinem Anwesen ein Laboratorium, wie es die Gegner von James Bond immer haben. Hinter ihm steht eine Geheimgesellschaft, wie sie der Fantasie Stanley Kubricks entsprungen sein könnte. Ganz in der Nähe leiden Bauern unter der Tyrannei marodierender Banditen wie im Western, während der Titelgestalt die Doppelidentität eines Superhelden zu schaffen macht: Als maskierter Rächer der Erniedrigten und Beleidigten bleibt er anonym, sein eigener Sohn kennt ihn nur als friedliebenden Waschlappen.

Verbunden werden diese Readymades durch viel Action, was in diesem Fall heißt: schöne Fechtszenen, in der jeder Sprung und jeder Schwung von Fanfarenmusik begleitet wird. Und zu guter Letzt gibt es die traditionelle Verfolgungsjagd in einer fahrenden Eisenbahn, auf der unser Held das Problem der Tunneleinfahrt lösen muss; Pferd und Reiter nämlich befinden sich auf dem Waggondach. Solche Szenen beziehen ihre Stärke aus der energetischen Ausstrahlung der Bilder und dem Spielcharakter – der Lust daran, einen Helden in eine Falle geraten und ihn dann eine Lösung finden zu lassen.

Für einige Zeit hat das etwas. Wenn sich die Massen auf dem Marktplatz versammeln und ein kleiner Junge ängstlich fragt, wann Zorro endlich komme – es droht nämlich Gefahr: die Bürger Kaliforniens haben gerade dafür gestimmt, den USA beizutreten, nun muss die Wahlurne sicher ans Ziel gebracht werden –, wenn dann übelgelaunte Bösewichter auf Pferden in die Menge sprengen und gerade, als sie der Urne habhaft werden, Zorro, der Schwarzmaskierte erscheint, dann fühlt man sich zurückversetzt in Zeiten, als „Zorro“ noch eine Art Berufswunsch war.

Die seligen Kindheitserinnerungen werden dadurch gestört, dass Antonio Banderas und Catherine Zeta-Jones als Zorro-Ehepaar den Zentralkonflikt moderner Beziehungen austragen: Sie will, dass er mehr zu Hause bleibt und sich ums Kind kümmert; er hat Schwierigkeiten, sich mit der Domestizierung abzufinden. Bei diesen humorigen Einlagen wirkt Banderas so ungelenk, dass man ein authentisches Problem des Schauspielers zu erkennen glaubt. Wer sich an seine Auftritte in den Epoche machenden Almodóvar-Filmen erinnert, sieht das bestätigt. Damals war Banderas ein Darsteller mit dem erkennbaren Willen zum Wahnsinn; virtuos konnte er eine Leere verkörpern, die magnetisch Projektionen auf sich zog. Er war unberechenbar. Heute ist er zur Charge verkommen, die in etwa das Mitleid auf sich zieht, das ein dressiertes Zirkustier auslöst. Bezeichnenderweise gab es in den letzten Jahren nur eine Rolle, in der Banderas aufblühte: Als Stimme des gestiefelten Katers in „Shrek 2“ durfte er darstellen, was ihm in seinen übrigen Hollywood-Rollen versagt blieb: exzentrisch, tuntig und machohaft zugleich zu sein; ein raffiniertes, kokettes Kätzchen, hungrig nach Aufmerksamkeit und strotzend vor Selbstbewusstsein, das mit seinen Kulleraugen eine ganze Soldatenschar außer Gefecht setzte.

Stahl Banderas als Kater dem Titelheld von „Shrek 2“ die Show, so passiert ihm hier das Gleiche durch zwei Nebenfiguren. Die besten Gags hat sein rauchendes und trinkendes Pferd und den besten Auftritt sein kleiner Sohn. Der Zehnjährige fängt Streit mit dem Lehrer an. Über die Schulbänke hinweg liefern sie sich eines der schönsten Fechtduelle des Films, an dessen Ende Klein-Zorro aus dem Fenster hüpft, um an einer Fahnenstange elegant zu Boden zu gleiten. Von oben jubeln die Klassenkameraden, während er von unten dem grimmigen Lehrer eine triumphierende Kusshand zuwirft – trotz kindlich kurzer Arme formvollendet. Das nächste Sequel wird „Der Sohn des Zorro“ heißen.