Demonstrationen in Magdeburg

Eisenstangen und Baseballschläger

Nach mehreren Demonstrationen in Magdeburg wurde eine Gruppe Rechtsextremer zusammengeschlagen und teils lebensgefährlich verletzt.

2016 wird bereits die achte „Meile der Demokratie“ veranstaltet.

Die „Meile der Demokratie“ in Magdeburg: ein Zeichen für Toleranz und Vielfalt.  Foto: dpa

MAGDEBURG/OSCHERSLEBEN EPD/dpa/taz | Rund zwei Dutzend Linksautonome haben in Oschersleben bei Magdeburg vier Demonstranten aus der rechten Szene zusammengeschlagen und teils lebensgefährlich verletzt. Ein 34-Jähriger erlitt Kopfverletzungen und wurde notoperiert.

Wie das Polizeirevier Börde am Sonntag mitteilte, waren am Samstag nach ersten Ermittlungen zehn Teilnehmer einer rechtsextremen Demonstration in Magdeburg mit dem Zug zurück nach Oschersleben gefahren, wo 20 bis 25 Vermummte auf sie warteten. Sechs konnten fliehen, vier im Alter von 25 bis 34 Jahren wurden unter anderem mit Eisenstangen und Baseballschlägern schwer verletzt. Sie kamen ins Krankenhaus. Die Täter flüchteten. Die Polizei vermutet einen linksextremistischen Hintergrund.

In Magdeburg hatte es zuvor Demonstrationen aus Anlass des 71. Jahrestag der Bombardierung der Stadt im Zweiten Weltkrieg gegeben. Neonazis hatten das Datum in der Vergangenheit immer wieder zu einem sogenannten Trauermarsch genutzt. Gut 10.000 Besucher kamen dieses Jahr zur Gegenveranstaltung, zur „Meile der Demokratie“, mit der ein Zeichen für Toleranz und gegen Fremdenfeindlichkeit gesetzt werden sollte. Rund 160 Initiativen, Vereine, Schulen und Kirchengemeinden ein Bühnen- und Kulturprogramm organisiert. Dazu gehörten auch zwölf Meilensteine als Veranstaltungsorte im ganzen Stadtgebiet.

Zudem fanden mehrere linke Demonstrationen mit bis zu 250 Teilnehmern statt. Überschattet wurde das Stadtfest von gewalttätigen Aktionen bereits am Freitag. Die Polizei sprach zum Abschluss am Samstagabend aber von einem „weitestgehend störungsfreien Verlauf“ der insgesamt 18 Veranstaltungen im Stadtgebiet. Die Polizei war mit insgesamt 800 Beamten im Einsatz.

Mit der Eröffnung der Meile begann diesmal ein Aufmarsch, der zwar aus dem Umfeld von „Magida“, einem Ableger der islam- und fremdenfeindlichen „Pegida“-Bewegung, angemeldet worden war. Bei den 230 Teilnehmern handelte es sich aber „überwiegend um rechtes Klientel“, wie ein Polizeisprecher sagte. Der rechte Marsch hatte das Motto „16.000 unvergessen“ und bezog sich auf die angebliche Todesopferzahl bei dem Luftangriff.

Ausschreitungen in Magdeburg

Der Aufzug wurde mindestens einmal blockiert. Zudem berichtete die Polizei von Auseinandersetzungen zwischen Linken und Rechten am Neustädter Bahnhof. Dort wurden mehr als 80 Platzverweise erteilt und die Lager „mit körperlichem Zwang“ getrennt, wie es hieß.

Bereits am Freitagabend hatte es bei der Demonstration einer linken Gruppierung unter dem Motto „Schulter an Schulter gegen Faschismus und imperialistische Kriege!“ Ausschreitungen gegeben. Dabei wurden laut Polizei von teils vermummten Teilnehmern Feuerwerkskörper und Steine auf Beamte geworfen. Vier von ihnen seien leicht verletzt worden, sagte ein Sprecher.

Eine Fortsetzung der gewaltsamen Auseinandersetzungen könnte es am Sonntag in Dresden geben. In den Sozialen Medien mobilisieren rechte Gruppen für einen „Solidaritätsmarsch“ am Sonntagnachmittag in Dresden.

 

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