Deutsche Bank bleibt im Krisenmodus

Auf der schiefen Bahn

Die Aussichten der Deutschen Bank sind auch für das laufende Jahr schlecht. Selbst dem neuen Chef ist die Lust auf Visionen vergangen.

John Cryan

Noch lange nicht clean: Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat mit Altlasten zu kämpfen. Foto: ap

BERLIN taz | Die krisengeschüttelte Deutsche Bank will bis 2018 ihre Tausenden von Rechtsstreitigkeiten abgearbeitet haben – und dafür noch mal viel Geld locker machen. Spätestens 2018 wolle die Bank „clean“ sein, sagte Finanzvorstand Marcus Schenck am Donnerstag bei der Präsentation der Geschäftszahlen für 2015. Zur Säuberung gehört auch die Trennung von der Postbank, die spätestens im nächsten Jahr erfolgen soll.

Bereits in der vergangenen Woche hatte die Bank verkündet, dass sie 2015 den höchsten Verlust ihrer Geschichte eingefahren hat. Mit 6,8 Milliarden Euro ist das Minus nun sogar noch um 100 Millionen Euro höher als zuvor bekannt gegeben. Die Berichtigung passt in das bizarre Bild, dass die größte deutsche Bank zurzeit abgibt.

Die Deutsche Bank ist in einer schweren Krise, seit Serien von Rechtsbrüchen durch Mitarbeiter ans Licht gekommen sind. Der Bank werden unter anderem die Manipulation von wichtigen Referenzzinssätzen, Beihilfe zu Geldwäsche und Steuerhinterziehung vorgeworfen. Die Zahl der juristischen Verfahren liegt bei etwa 6.000.

Die Bank hat allein 2015 Rückstellungen von 5,2 Milliarden Euro gebildet, die vor allem für den Megaverlust verantwortlich sind. Hinzu kommen Kosten für das Programm 2020, mit dem die Bank umgebaut wird. Dazu gehört die Ausdünnung des Filialnetzes und der Abbau von 4.000 Stellen in Deutschland.

Analyst Dieter Hein

„Vorstand und Aufsichtsrat

müssen die Bank verlassen“

„Ich fühle mich persönlich für den Verlust verantwortlich“, sagte Bankchef John Cryan, der erst im Sommer vom Aufsichtsrat der Bank in den Vorstand gewechselt ist. Cryan hat den Investmentbanker Anshu Jain ersetzt, der seit 2012 mit Jürgen Fitschen die Bank geleitet hatte. Fitschen wird seinen Posten zur Hauptversammlung im Mai räumen, danach wird Cryan die Bank alleine führen.

Auch dieses Jahr wird kein gutes für die Deutsche Bank. 2016 werde der Höhepunkt der Sanierung sein, sagte Cryan. Das wird eine Milliarde Euro kosten. Auch für die Belastungen aus den Rechtsstreitigkeiten wird weiter Geld benötigt. „Wir werden hart daran arbeiten, die Altlasten zu bewältigen“, sagte Cryan. Allerdings soll es weniger Rückstellungen geben, sagte Cryan. „Wir wären sehr enttäuscht, wenn wir die Zahl von 2015 noch einmal steigern müssten.“ Die Kosten für Rechtsstreitigkeiten seien ein „Mühlstein um den Hals der Bank“, sagt Cryan. Er sei aber zuversichtlich, im laufenden Jahr „dieses Chaos zu beenden“.

Der Vorstand wird – neben den Gehältern in Millionenhöhe – für 2015 keine Sonderzahlungen bekommen. Das habe der Aufsichtsrat beschlossen, berichtete Cryan. „Das ist keine langfristige Strategie.“ Auch der Vorstand brauche Motivation. Investmentbanker bekommen Boni nach wie vor.

Der Aktienkurs der Bank ist aufgrund der anhaltend schlechten Nachrichten massiv eingebrochen. Angesichts eines aktuellen Börsenwerts von rund 20 Milliarden Euro sind Deutsche-Bank-Aktien für potenzielle Käufer ein Schnäppchen. Ob es Interessenten für eine Übernahme oder eine Mehrheitsbeteiligung gibt, ist unklar. „Ich weiß es nicht“, sagte Cryan. „Im Moment bezweifele ich das.“ Die Aufsichtsbehörden würden wahrscheinlich die Augenbrauen hochziehen, wenn ein großes Institut die Bank übernehmen wollte.

Kardinalfehler Investmentbanking

Zum Umbauprogramm gehört die Trennung von der Tochter Postbank, die die Deutsche Bank übernommen hatte, als sie noch stark auf das Privatkundengeschäft gesetzt hat. Die Trennung werde spätestens 2017 erfolgen, sagte Finanzvorstand Schenck. Auch bei der Postbank würde Filialen geschlossen, aber nicht in dem Umfang wie bei der Deutschen Bank.

Das umstrittene Investment-Banking, das viele juristische Verfahren ausgelöst hat, soll aber bleiben. Der Analyst Dieter Hein vom Institut Fairesearch hält das für einen Kardinalfehler – vor allem, weil damit aufgrund gestiegener Eigenkapitalanforderungen der Behörden sehr viel weniger Geld zu verdienen ist.

„Die Bank muss sich auf das klassische Geschäft konzentrieren, aber das baut sie ab“, kritisiert Hein. Er sieht deshalb nur einen Weg, um die Deutsche Bank von der schiefen Bahn zu bringen: „Der Vorstand und der Aufsichtsrat müssen die Bank verlassen.“

 

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