Bernward Janzing über die Windenergie-Kritik von "Vernunftkraft"

Stänkern gegen die Erneuerbaren

Die Nutzung von Energie ist immer ein Eingriff in die Natur, da macht die Windkraft keine Ausnahme. So gesehen gibt es natürlich auch Argumente gegen sie. Windräder verändern die Landschaft und bringen Technik in mehr oder auch weniger unberührte Naturgebiete. Sie können auch Tieren schaden, und sie senden Schall aus. Alles keine Frage.

Nur: Was sind die Alternativen? Atomkraftwerke mit ihren Störfallrisiken und dem Müllproblem? Wohl kaum. Die Kohleverbrennung mit ihren unabsehbaren Klimakonsequenzen? Wohl auch nicht. Und weil auch die Verbrennung von Öl und Erdgas negative Umweltfolgen hat, bleiben am Ende eines Abwägungsprozesses nur die Erneuerbaren übrig. Aber natürlich sind auch sie alle nicht frei von Umweltfolgen, egal ob Windkraft, Sonne, Wasserkraft oder Bioenergie.

Kritiker, die nun den Infraschall gegen die Windkraft anführen, könnte man ernst nehmen, wenn ihr Fokus nicht so eingeschränkt wäre. Seriöser wäre es, die gesamten Infraschallquellen unserer Industriegesellschaft einmal zu beleuchten, denn auch der Verkehr und das Gewerbe – Pumpen und Trafostationen zum Beispiel – erzeugen Infraschall. Aber nur bei der Windkraft wird das Phänomen zum Thema. Wie merkwürdig.

Ähnliches erlebt man seit Jahren beim Landschaftsschutz, einem zweifellos sehr wichtigen Anliegen. Aber wer Landschaft nur dann schützen will, wenn es um Windrotoren geht, nicht aber wenn Straßen, Wohn- und Gewerbegebiete, Logistikzentren und Vollsortimenter gebaut werden sollen, dem geht es um anderes als die Landschaft.

Fazit: Wenn die Initiative „Vernunftkraft“ schreibt, der „einzige ökologisch unbedenkliche Strom ist der, der nicht produziert wird“, ist das natürlich nicht ganz falsch. Um diesem Satz aber tatsächlich gerecht zu werden, sollte sich die Gruppe besser für Energiesparmaßnahmen wie eine Energiesteuer engagieren, als gegen die Erneuerbaren zu stänkern.

Wirtschaft + Umwelt