Mit dem Maschari-Center am Görlitzer Bahnhof eröffnete Berlins zweitgrößte Moschee. Die will sehr offen sein.von ALKE WIERTH

Im Inneren der Maschari-Moschee Bild: DPA
Sieben Männer stehen in der Moschee des Maschari-Centers in Kreuzberg. Sie tragen dunkle Anzüge, rosafarbene Krawatten - und singen, untermalt von poppig-elektronischer Musik. "Kommt her und tretet ein, in unser Zentrum rein, wie es strahlt voller Glanz und Sonnenschein", lautet der Text des deutschen Lieds, mit dem die gut 400 Gäste bei der Eröffnung von Berlins zweitgrößter Moschee am Freitag begrüßt wurden.
In der Moschee strahlt und glänzt es tatsächlich. Der elfenbeinfarbene Stuck der Wände wird von riesigen Kronleuchtern beleuchtet. Weißer Marmor und silberne Geländer strahlen im Treppenhaus. Das ganze Gebäude wirkt von innen wie eine auf links gedrehte Sahnetorte. Der Gebetsraum erstreckt sich mit zwei Emporen über die ersten drei Etagen des Gebäudes. Er bietet Platz für 1.000 Gläubige.
5.000 Quadratmeter groß ist das Maschari-Center, das außer der Moschee Seminar- und Beratungsräume, eine Kita und mehrere Ladenlokale umfasst. Von außen sieht man dem Haus, dessen Kosten von etwa 10 Millionen Euro aus Spendengeldern finanziert wurden, den Prunk im Inneren nicht an. Die vier Minarette auf dem Dach des siebenstöckigen Gebäudes sind von der Straße aus kaum zu sehen. Die Kuppel der Moschee liegt im Innenhof des Eckhauses, das genau auf dem Grundstück errichtet wurde, auf dem am 1. Mai 1987 ein Supermarkt niederbrannte.
Nun könne hier "ein Ort des Friedens" entstehen, hofft Günter Piening, Integrationsbeauftragter des Senats. Der Bauherr der Moschee, der Islamische Verein für Wohltätige Projekte (IVWP e. V.), ist eine Gemeinde überwiegend arabischstämmiger Muslime, die sich der Glaubensrichtung der Habashis zurechnen. Von konservativen Gruppen wie etwa den Salafiten werden die Habashis als Abtrünnige angefeindet - elektronische Musik und nichtreligiösen Gesang in einer Moschee gäbe es bei ihnen nicht. Die Habashis selbst betrachten sich als Teil des sunnitischen Islam. Zum IVWP gehören in Berlin etwa 250 Mitglieder - doch auch andere Muslime würden die Moschee besuchen, meint Birol Ucan, Vertreter des Vereinsvorstands und selbst türkischer Herkunft: "Unsere Türen stehen allen offen."
Der Einladung gefolgt war etwa Inge Hirschmann, Leiterin der benachbarten Heinrich-Zille-Grundschule. Der Islam sei ja ein "angstbesetztes Thema", meint sie: Ob die Existenz der Moschee ihre Schule beeinflussen würde, müsse man sehen. "Es kommt darauf an, welcher Geist hier herrscht", so Hirschmann. Dass an ihre Schule eine Einladung ergangen sei, sei "ein guter Beginn". Auch Jörg Machel, Pfarrer der nahen evangelischen Emmaus-Kirche, ist zur Moscheeeröffnung gekommen. Er würde eine Zusammenarbeit mit der Moschee begrüßen, sagt der Pfarrer, "etwa bei der Lösung von Konflikten".
Warum kein Vertreter der benachbarten türkischen Moschee gekommen ist, darüber mag Birol Ucan nicht spekulieren: "Sie werden ihre Gründe haben", sagt der große Mann, den ein dunkler Fleck auf der Stirn als fleißigen Beter ausweist. Eingeladen habe man alle, so Ucan.
Sie sei sehr stolz auf die neue Moschee, sagt eine Besucherin, die zur Habashi-Gemeinde gehört und für die Eröffnung extra aus Essen angereist ist: "Schließlich haben wir alle mitgeholfen, die Moschee aufzubauen." Da wolle sie heute auch mitfeiern. Frauen und Männer beten bei den Habashis gemeinsam - auch das gefällt manchen anderen Muslime nicht. Die Eröffnung der Moschee sei für die arabischstämmigen Muslime Berlins "sehr wichtig", sagt Nader Khalil von der CDU Neukölln und selbst arabischer Herkunft: "Wir hatten ja bisher nur Hinterhofmoscheen!" Die Gemeinde werde die Offenheit der Eröffnung beibehalten und "mit allen zusammenarbeiten, die Interesse daran haben", sagt IVWP-Sprecher Ucan. Konkrete Veranstaltungen sind bisher aber nicht geplant.
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