Greenpeace entlarvt Supermärkte

Gen-Soja in Schokoriegeln

Gentech-Soja gelangt offenbar unbemerkt in deutsche Supermärkte: Greenpeace fand große Anteile in Schokoriegeln. Einer davon soll nun aus dem Handel genommen werden.von JOST MAURIN

Umstrittener "Butterfinger": Bereits 1999 kritisierten Gentechnik-Gegner den Schokoriegel von Nestlé.  Bild:  dpa

BERLIN taz | In Deutschland werden gentechnisch-veränderte Lebensmittel auch ohne die gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung verkauft. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace nannte am Mittwoch zwei Beispiele: die Schokoriegel "Butterfinger" und "Baby Ruth" von Nestlé, die in den Supermärkten Karstadt/Perfetto, Edeka, Rewe sowie etwa an Tankstellen und Kiosken angeboten würden.

Nach Laboruntersuchungen seien 84 bis 100 Prozent der in den Süßigkeiten enthaltenen Soja gentechnisch verändert, sagte Greenpeace-Expertin Stephanie Töwe der taz. Laut einer EU-Verordnung dürften es nur 0,9 Prozent pro Zutat sein, wenn der Hersteller auf die Kennzeichnung als gentechnisch verändert verzichtet. Und auch dann sind nur Verschmutzungen erlaubt, die zufällig sind und sich technisch nicht vermeiden lassen. Der Butterfinger besteht der Organisation zufolge zudem aus sechs unterschiedlichen Gentech-Maissorten. Insgesamt habe Greenpeace vier Riegel aus verschiedenen Städten untersucht.

Alle Produkte wurden aus den USA importiert, wo gentechnisch veränderte Zutaten wie Zucker, Sojaöl oder Maisstärke sehr weit verbreitet sind. "Greenpeace fordert den Handel auf, nur Importprodukte aus den USA zu verkaufen, die garantiert keine Zutaten aus Gen-Pflanzen enthalten", sagte Töwe. Von den Behörden verlangt sie umfassende Kontrollen.

Nestlé Deutschland wies am Mittwoch eine Zuständigkeit für die kritisierten Schokoriegel zurück. Diese würden von vom Konzern unabhängigen Firmen nach Deutschland eingeführt. Einer der Importeure hat bereits auf die Untersuchung reagiert. "Wir werden den Artikel 'Baby Ruth' noch heute zurückrufen", sagte die Marketingleiterin der Mühlheimer C.M.C The Food Company, Julia Delibasic, der taz. Das Unternehmen wolle den Schokoriegel auch nicht in korrekter Kennzeichnung wieder auf den Markt bringen.

Der Schokoriegel "Butterfinger" war bereits 1999 in die Kritik geraten, weil für die Herstellung gentechnisch änderter Mais verwendet wurde. Nach Verbraucherprotesten nahm ihn Nestlé kurze Zeit später vom deutschen Markt. Das Unternehmen teilte damals mit, das Produkt sei wirtschaftlich nicht erfolgreich gewesen.

Greenpeace pocht auch weiterhin auf der Kennzeichung von Lebensmitteln mit Gentech-Zutaten, um die Wahlfreiheit der Verbraucher zu schützen. "Die meisten Verbraucher in Deutschland wollen sich kein Gen-Food unterjubeln lassen", erklärte Töwe. Der Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen für Lebens- und Futtermittel berge zahlreiche Risiken für die Umwelt und die Bio-Landwirtschaft.

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