„Wir sind wieder präsent“

GEGENKULTUR Die RAK, ein Netzwerk linker Straßenmusiker, zeigt Szenen aus 30 Jahren

taz: RAK steht für „Rotzfreche Asphalt-Kultur“ und ist ein MusikerInnen-Zusammenschluss, der nun 30 Jahre alt wird. Wie frech ist die RAK noch?

Mogli: Seit zwei Jahren sind wir wieder präsent, es gab eine richtige Welle junger Bands wie Faulenza und Rest in Risico, die zu uns gestoßen sind. Die acht Jahre davor waren eher eine Durststrecke.

Was bedeutet es praktisch und ideologisch, in der RAK zu sein?

■ 32, ist Sänger und Gitarrist der Band „Früchte des Zorns“ und sammelt seit einiger Zeit Zeugnisse der „Rotzfrechen Asphaltkultur“.

Wir sind ein Berufsverband ohne formale Mitgliedschaft für Straßenmusiker, die sich in ihren Liedern und Aktionen auf die emanzipierte Linke beziehen. Praktisch gesehen treffen wir uns einmal jährlich mit rund 70 Teilnehmern intern, um uns auszutauschen und unsere Stücke zu diskutieren. Daneben gibt es jedes Jahr ein großes Galakonzert. Beim letzten kamen immerhin 700 Leute.

Auf der Straße hingegen erlebt man politische Straßenmusik kaum noch.

Ich kenne schon noch Kollegen, die ganz bewusst das Zufallspublikum auf der Straße suchen. Ich selbst unterstütze aber lieber konkrete Demos und Aktionen wie beim Castor mit meiner Musik.

Auf Ihrer Audio-Tour zeigen Sie jetzt Filme und Aufnahmen aus 30 Jahren RAK. Wird das vor allem ein Nostalgie-Nachmittag?

Nein. Wir haben 1.500 Aufnahmen und viele Videos gesammelt, auf denen Aktionen und Konzerte dokumentiert sind – auch der Song, den die Kölner Polizei mal für Klaus, den Geiger, geschrieben hat. Aber damit sind wir nicht rückwärtsgewandt, sondern suchen die Diskussion über aktuelle Möglichkeiten politischer Interventionen im öffentlichen Raum.

INTERVIEW: HENNING BLEYL

RAK-Audiotour: Sonntag, 16 Uhr, im Infoladen St.-Pauli-Straße 10–12