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Der Planet Erde steht kurz vorm Burn-out

Ökologie Seit 1970 ist der Bestand an wild lebenden Tieren um 58 Prozent zurückgegangen

Lösungen liegen vor, sie müssen nur umgesetzt werden

Christoph Heinrich, WWF

taz | Eigentlich sah es nach einer Erfolgsstory aus: In den Industriestaaten kehren lange verdrängte Tiere zurück. In Europa am augenfälligsten Luchse, Wölfe, Bären oder Elche. Allerdings finden sie nicht unbedingt die besten Bedingungen für einen Neustart vor. So müssen immer mehr tierische Verkehrstote von den Straßen gekratzt werden, und in jagdlich genutzten Wäldern oder der Nähe von Schafhaltern finden sich zunehmend auch illegal abgeschossene Wölfe. Längst fordern Tierhalter, legal gegen die „wachsende Zahl von Raubtieren“ vorgehen zu dürfen.

Der eskalierende Konflikt täuscht darüber hinweg, dass es tatsächlich weltweit immer weniger wild lebende Tiere gibt. Seit 1970 sind die Bestände von „Fischen, Vögeln, Säugetieren Amphibien und Reptilien schon um 58 Prozent zurückgegangen“, heißt es im am Donnerstag veröffentlichten „Living Planet Report 2016“. Die Berichte gelten als der umfassendste Überblick über den Zustand des Planeten. Herausgegeben werden sie von den Umweltverbänden Global Footprint Network und WWF sowie der Zoologischen Gesellschaft London.

Die Wissenschaftler haben über viele Jahre rund 14.000 Populationen von 3.700 Tierarten beobachtet. Mit im Schnitt 81 Prozent am heftigsten schrumpften die Bestände in Flüssen, Seen und Sümpfen. Bei Meeresgetier waren es 40, bei Wirbeltieren an Land 38 Prozent.

Die Hauptgründe dafür sind menschengemacht, heißt es. Im Gegensatz zum Wildtierbestand verdoppelte sich die Weltbevölkerung von 1970 bis heute auf rund 7,4 Milliarden Menschen. Sie bedrohen den Tierbestand mit nicht nachhaltiger Landwirtschaft, Abholzungen, Verkehr, Überfischung, Wilderei, durch die beschleunigte Einschleppung gebietsfremder Arten, aber auch durch die allgemeine Umweltverschmutzung und den Klimawandel.

Dieser Raubbau habe nicht nur Auswirkungen auf die Tierwelt, sondern auch auf den Menschen selbst, sagte Christoph Heinrich, Vorstand Naturschutz beim WWF Deutschland. „Dürre und extreme Wetterereignisse, Hungersnöte“ nähmen „immer dramatischere Ausmaße an“.

Die Forscher wiesen aber auch darauf hin, dass die Lösungen bekannt seien, sie stünden beispielsweise in der UN-Nachhaltigkeitsagenda und dem Klimaschutzabkommen von Paris. Diese müssten nur tatsächlich umgesetzt werden. „Wir brauchen eine neue Definition von Wohlstand und Erfolg“, sagte Heinrich, „die die Gesundheit von Individuen, der Gesellschaft und der Umwelt einbezieht.“ Nur ein verringerter ökologischer Fußabdruck könne den Wohlstand auch für nachkommende Generationen sichern. BW

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