Frühkindliche Förderung unter der Lupe

Wissenschaft In einem bundesweit einmaligen Forschungsvorhaben soll der Nutzen von kontinuierlicher frühkindlicher Förderung untersucht werden. 1.000 Kinder und ihre Familien aus Bremen sollen daran teilnehmen – von der Geburt bis ins erste Schuljahr

Nützt es Kindern aus schwierigen Lebensumständen mehr, wenn sie kontinuierlich gefördert werden oder wenn sie, „wie es gängige Praxis ist, nur vereinzelt und unsystematisch an Förderprogrammen teilnehmen“? Das fragt sich der Bremer Senat und beteiligt sich daher an einer bundesweit einmaligen Langzeitstudie, die die Beantwortung dieser Frage zum Ziel hat.

1.000 Kinder aus den Geburtsjahrgängen 2017 und 2018 sollen an der „BRISE“-Studie teilnehmen, benannt nach der „Bremer Initiative zur Stärkung frühkindlicher Entwicklung“, an der neben dem Senat die Jacobs Stiftung, das Bundesministerium für Bildung und Forschung sowie mehrere wissenschaftliche Institute beteiligt sind. Alle teilnehmenden Kinder sollen in einem Zeitraum wenige Monate vor ihrer Geburt bis in das erste Grundschuljahr wissenschaftlich begleitet werden. Nur ein Viertel soll laut Studiendesign an allen drei Förderprogrammen teilnehmen, die es in Bremen für jüngere Kinder gibt. Das sind „TippTapp“ und „Pro Kind“ für die ersten beiden Lebensjahre, dann folgt „Opstapje“, eine aufsuchende Elternarbeit und anschließend „Hippy“, eine aufsuchende schulvorbereitende Elternarbeit.

Ausgewählt würden die beiden Gruppen – mit kontinuierlicher Förderung und ohne – nach Stadtteilen, sagt Bernd Schneider, Sprecher von Sozialsenatorin Anja Stahmann (Die Grünen). Dabei kommen nur Stadtteile mit ähnlichen sozialen Verhältnissen infrage. Tenever und Gröpelingen sind nicht dabei. Das beteiligte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in Berlin hat zudem die Aufgabe, eine Kosten-Nutzen-Analyse der frühkindlichen Förderung durchzuführen.

Das Bundesforschungsministerium gibt für die erste Projektphase 6,3 Millionen Euro aus, vier Millionen gehen davon an die Universität Bremen. Dort wird eine Professur für Entwicklungspsychologie und Pädagogische Psychologie mit international sichtbarem Profil in der experimentellen Säuglings- und Kleinkindforschung eingerichtet.

Dort ist auch das neu einzurichtende „Baby-Lab“ angesiedelt, in dem die Säuglinge untersucht werden. Bei positiver Evaluation gibt es noch einmal sechs Millionen Euro für weitere vier Jahre. Bremen stellt für die Jahre 2018 bis 2020 1,8 Millionen Euro zur Verfügung, um das Angebot der Förderprogramme ausweiten zu können. Am Dienstag soll sich der Senat mit der Studie befassen.