Aus der zeozwei

das taz-magazin für Debatten mit Zukunft

Jetzt und sofort – was muss passieren?

Der Erste-Hilfe-Katalog 2017

Die zeozwei-Weihnachtsausgabe: Lieben und töten – die neue Mensch-Tier-Beziehung

+ Kein Schwein findet Massentierhaltung gut, aber dennoch passiert politisch nichts. Warum? Eine Untersuchung von Hanna Gersmann

+ Gibt es eine neue Mensch-Tier-Beziehung, und wenn ja, wozu? Von Richard David Precht?

+ Darf man reiten? Eine persönliche Geschichte von Tanja Busse

+ Warum Menschen ohne Not Giraffen töten

Anja Weber und Jörn Kabisch: ­Warum schmeckt diese Holland-Tomate großartig?

Bernhard Pötter: Was wird aus der Klimapolitik im Trump-Zeitalter?

James Lovelock: Ist künstliche Intelligenz gefährlicher als ­Klimawandel?

Fred Luks: Können auch Ökos postfaktisch sein?

Martin Unfried: Es braucht die EU zur Rettung der Autoindustrie.

Sandra Schöttner: Wo Plastik­verzicht wirklich was bringt.

Die zeozwei-Buchliste:Was sind die besten Bücher für Weihnachten?

Harald Krassnitzer: Der Tatort-­Kommissar beantwortet den zeozwei-Fragebogen.

Schluss mit Sonntagsreden! Welche fünf politischen Maßnahmen würden jetzt und sofort helfen? In der EU, bei der Einwanderung, bei der Klima- und Verkehrspolitik – aber auch individuell für ­gutes Essen und gute Kleidung. Der zeozwei-Maßnahmenkatalog, damit das Jahr 2017 gelingen kann

Drei Maßnahmen zur Verkehrswende

Das Wichtigste ist es, die Elek­tro­mobilität auf die Straße zu bekommen. Dafür braucht es vor allem:

Foto: BMW

Carl Friedrich Eckhardt, Leiter des Kompetenzzentrums Urbane Mobilität bei BMW

1 Die öffentliche Ladeinfrastruktur muss ausgebaut werden.

2 Städte müssen öffentliche Parkplätze gemäß dem Elek­tro­mobilitätsgesetz nach und nach für Elektrofahrzeuge umwidmen.

3 Die Gebühren für Parkplätze staffeln, je nach dem wie klimafreundlich der Antrieb eines Fahrzeugs ist.

Fünf Maßnahmen zur Verbesserung der Einwanderungs- und Flüchtlingspolitik

1 Deutsches Einwanderungsgesetz. Als Teil davon befristete Visa mit Möglichkeit zwei- oder dreimal ein- und auszureisen, um sich Arbeit suchen zu können.

Foto: Christian Wohlert

Daniel Cohn-Bendit, Europäer und erster Multikulti-Dezernent Deutschlands

2 Bundesministerium für Einwanderung. Einwanderung raus dem Innenministerium, das ist keine Ge­fah­ren­abwehr.

3 Parallel dazu Strukturen auf Landes- und Kommunalebene.

4 Europäisches Flüchtlingsrecht auf EU-Ebene. Damit werden Kriterien neu koordiniert.

5 Europäische Agentur für Flüchtlinge. Statt Zwangsumverteilung nach Schlüssel fördert die Agentur Dörfer, Kommunen, Landkreise, die sich für die Gelder melden.

Fünf Maßnahmen zu Slow Fashion

1 Kleidungsstücke so lange tragen, bis sie nur noch zum Schuhputzlappen reichen, heißt: keine Einmal-Anzieh-und-Wegwerf-Mode kaufen.

Foto: manomama

Sina Trinkwalder, Gründerin der ökosozialen Textilfirma Manomama

2 Finger weg von Fehlkäufen: lieber zweimal nachdenken, anstatt zuzugreifen und eine Schrankleiche zu haben.

3 Kleidungsstücke so pflegen wie das eigene Gesicht: schonend und sorgfältig!

4 Bio konsumieren. Besser für die Umwelt, die Menschen, die es herstellen, und den Konsumenten, der es trägt!

5 Strafsteuern auf unsaubere Kleidung, bei deren Herstellung soziale und ökologische ­Mindeststandards ein Dreck sind.

Fünf Maßnahmen zur klimapolitischen Wende

1 Kohleausstieg heute einleiten, bis 2040 abschließen

Foto: Uwe auf der Heide

Claudia Kemfert, Energie-Expertin

2 Dieselsteuer anheben auf Niveau von Benzinsteuer

3 Nachhaltiges Mobilitätskonzept auf den Weg bringen, welches Dekarbonisierung bis 2050 zum Ziel hat

4 Dieselautos aus den Städten verbannen, blaue Plakette sofort einführen

5 Kein Einbau von Ölheizungen in Neubauten, bis 2030 Anteil von Öl- und Gasheizungen auf Minimum vermindern

Fünf Maßnahmen für gutes Essen

1 Betreibe kein Greenwashing, kaufe auch im Bioladen keine Tomaten im Dezember.

Foto: Marko Seifert

Billy ­Wagner, Wirt, Speiselokal Nobelhart & Schmutzig, Berlin

2 Hänge dir einen Saisonkalender in die Küche, wann es welche Gemüse und Früchte gibt.

3 Kaufe am Markt ein, und dann dort nicht beim Händler, sondern direkt beim Produzenten.

4 Lass dich am Markt inspirieren, beraten und kaufe dann dort, was es gibt, statt immer nur in alten gleichen Mustern einzukaufen.

5 Kaufe nicht einmal für die Woche und werfe dann einiges weg, sondern kaufe mehrfach in der Woche und verbrauche alles.

Fünf Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensqualität in Städten

1 Städte bauen neue Wohnungen, damit es Platz für alle gibt. Sie wachsen in die Höhe. Baulücken werden geschlossen.

Foto: Brohm/Seidel

Ansgar (l.) und Benedikt Schulz, Professoren für Architektur an der TU Dortmund. Architekturbüro Schulz und Schulz in Leipzig

2 Die Zentren werden für KFZ-Individualverkehr gesperrt, der ÖPNV verbessert.

3 Baugenehmigungen werden nur noch nach Architekturwettbewerben und Empfehlungen von Gestaltungsbeiräten vergeben, die Häuser werden schöner und die Menschen glücklicher.

4 In den Bau von Kindergärten und Schulen fließt mehr Geld, damit alle mehr Spaß beim Lernen haben. Denn Bildung fördert die Integration und das Miteinander.

5 Baustoffe, die klimabelastend und nicht dauerhaft halten, werden verboten. Erlaubt werden nur noch ressourcenschonende Materialien wie Recyclingbeton oder Holz.

Fünf Maßnahmen, um Europa zu verbessern

1 Sofortige Suspendierung des Flüchtlingsabkommens mit der Türkei zur Rettung und Wahrung des europäischen Anstands. Stattdessen Einrichtung und Ausstattung einer europäischen Behörde für Flucht und Migration, die direkt mit interessierten Städten auf der Grundlage von finanziellen Anreizen die Verteilung von Flüchtlingen und Migranten vornimmt.

2 Sofortige „rote Linien“ zur Rettung der Demokratie gegenüber den Regierungen in Ungarn und Polen als Reaktion auf die Erosion der Rechtsstaatlichkeit (Unterwanderung der Verfassungsgerichtsbarkeit, Verbot von Zeitungen, „Austrocknen“ von NGOs et cetera). Und zwar durch Stimmrechtsentzug im Europäischen Rat und in den Ministerräten sowie durch Überweisungsstopp von EU-Finanzhilfen.

Foto: Dominik Butzmann

Ulrike Guerot, Professorin für Europapolitik und Demokratieforschung an der Donau-Universität Krems und Gründerin des European Democracy Lab, Berlin

3 Erste Schritte zur Einführung eines europäischen Personalausweises auf der Grundlage der Bestimmungen zum „European Citizenship“ als Ausdruck der Teilhabe an der Unionsbürgerschaft. Als Erstes könnte dieser europäische Personalausweis jenen Briten überhändigt werden, die durch den Brexit ihre europäische Unionsbürgerschaft verlieren, dies aber – siehe viele Schotten und viele junge Briten – nicht wollen.

4 Erste Schritte zur Einführung einer allgemeinen europäischen Sozialversicherung, darunter zum Beispiel eine europäische Arbeitslosenversicherung (die als Vorschlag schon auf dem Tisch liegt!); aber auch eine allgemeine europäische Gesundheitskarte, mit der etwa Arztbesuche in ganz Europa, also allen Mitgliedstaaten der EU, ohne bürokratische Umstände möglich wären.

5 Initiative für europäische Wahlrechtsgleichheit für alle europäischen BürgerInnen bei den EP-Wahlen 2019. Dies würde bedeuten, die nächsten EP-Wahlen finden nach dem Prinzip statt: eine Person, eine Stimme; nach den gleichen Wahlmodi und mit transnationalen Listen, auf denen sich „echte“ europäische Parteien bewerben.

Perspektivisch müssten dann noch der Europäische Rat abgeschafft und das politische System der EU auf ein Zweikammersystem umgestellt werden, das dem Grundsatz der Gewaltenteilung genügt und in dem das Europäische Parlament volles Initiativrecht zuteil wird.

Und schließlich müssten die Regio­nen in der Entscheidungs­findung in Europa aufgewertet werden, um die sozioökono­mische Teilung der Europäischen Union in städtische und ländliche Gebiete zu überwinden, wobei die ländlichen Gebiete zu Globalisierungsverlierern und mithin zur Brutstätte des europäischen Populismus werden. Dann wäre Europa schon nahe dran an dem, was man ein Bürgereuropa nennen könnte: ein Europa, in dem die Bürger und Bürgerinnen der Souverän und jenseits von nationaler Zugehörigkeit vor europäischem Recht alle gleichgestellt sind!