Verschwörungstheorie über Clinton: #Pizzagate geht weiter
Unter dem Hashtag „Pizzagate“ werden Lügen über Hillary Clinton verbreitet. Was anfangs harmlos erschien, wird nun zur Gefahr.
Achtung, jetzt wird es abstrus: Hillary Clinton und ihre Bekannten betreiben ein satanistisches Pädophilie-Netzwerk in der Pizzeria „Comet Ping Pong“ in Washington. So zumindest laut eine Verschwörungstheorie, die in den USA über die Internetplattformen Reddit und 4chan verbreitet wird.
Ausgelöst wurde die vermeintliche Affäre durch die Veröffentlichung der E-Mails vom Wahlkampfmanager Clintons, John Podesta. User_innen obengenannter Websites glaubten in den Mails verschiedene Codes entdeckt zu haben und entschlüsselten sie. Für sie stehe „pizza“ für „Mädchen“, „map“ bedeute „Samenflüssigkeit“ und „sauce“ sei ein Code für „Orgie“.
Mit Hilfe dieser „Entschlüsselung“ reimten sie sich zusammen, dass Barack Obama eine Orgie mit Kindern im Weißen Haus veranstaltet habe. Und dass Lady Gaga an Ritualen teilnehme, bei denen Blut zur Huldigung des Teufels getrunken werde. Oder eben auch, dass im „Comet Ping Pong“ Kinder im Keller festgehalten und gequält würden – unter der Leitung von Clinton.
Befeuert wurden diese Theorien durch einen Tweet des US-Unternehmers David Goldberg, der behauptete, die New Yorker Polizei hätte die Affäre um das sogenannte #pizzagate bestätigt. Was sie zu keinem Zeitpunkt getan hat. Auch Michael Flynn, ein Berater Trumps, verbreitete das Gerücht über den angeblichen Kindesmissbrauch. Rechte Blogs nahmen die Geschichte auf und eine Hetzkampagne gegen Clinton war losgetreten.
Gefährlicher Unfug
Die Bemühungen der New York Times und der Washington Post, die Affäre als Verschwörungstheorie zu entlarven und die vermeintlichen Beweise zu entkräften, halfen nicht – Pizzagate nahm seinen Lauf.
Verschwörungstheorien gibt es viele und man könnte sie ignorieren oder müde darüber lächeln. Doch die Pizzagate-Affäre geht über wirre Vermutungen und Hass-Tweets hinaus.
Am 4. Dezember stürmte der bewaffnete Edgar Welch das „Comet Ping Pong“ auf der Suche nach den versteckten Kindern im Keller. Dabei fielen Schüsse, verletzt wurde niemand. Nachdem Welch weder Keller noch Kinder auffand, ergab er sich und sitzt nun in Untersuchungshaft.“
Trotzdem bekommen nun auch weitere Pizzerien in Austin und New York die Wucht solcher Verschwörungstheorien zu spüren. Auch sie sollen angeblich am Pädophilen-Netzwerk beteiligt sein. Ihren Verdacht begründen Rechte damit, in den Logos der Pizzerien satanistische Symbole erkannt zu haben. Seitdem haben die Imbisse von Drohanrufen, Mordandrohungen und Vandalismus berichtet. Was soll man sagen? Alle drehen durch?
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert