heute in hamburg

„Außerhalb der Gesellschaft“

LOHNARBEIT Katy Baird zeigt mit ihrer Performance, wie prekär die Arbeit in der Serviceindustrie ist

Katy Baird

Foto: Holly Revell

39, ist Performance-Künstlerin und lebt in London Sie hat schon fast alle Jobs der Serviceindustrie gemacht.

taz: Frau Baird, welcher war ihr liebster Job in der Serviceindustrie?

Katy Baird: Der bei Burger King.

Was gefiel Ihnen daran?

Es war ein großartiges Team, wir haben immer gut gelacht, hatten eine relaxte Atmosphäre und konnten essen, was wir wollten. Direkt nebenan ist ein Pub und manchmal wartete dort nach der Arbeit schon ein fertiger Drink auf mich. Insgesamt war es nicht sehr formal. Ich hatte eine gute Zeit in diesem Job.

Für welche Arbeit müssen Sie mehr Zeit aufwenden: Kunst oder Servicejobs?

Gerade letzte Woche habe ich meinen Bürojob, in dem ich fünf Jahre gearbeitet habe, gekündigt. Jetzt bin ich Freiberuflerin. Ich habe zwar noch andere kleine Jobs, die nun aber hoffentlich zu meiner künstlerischen Arbeit passen – und nicht andersrum, wie bisher. Es ist ein großer Moment für mich, die Sicherheit eines bezahlten Vollzeitjobs zu verlassen.

Wie würden Sie Ihre Zeit lieber verbringen?

Ich würde sie lieber in meine eigene Arbeit investieren. In meinem Performance-Stück geht es um Zugehörigkeit und Sehnsucht. Manche Menschen gehen in Galerien oder an andere künstlerische Orte, und fühlen sich dort nicht wohl. Mein Stück spielt mit den Konventionen von Theater. Ich möchte, dass viele Leute kommen, die sich damit identifizieren.

Ist es für Menschen aus ökonomisch starken Schichten einfacher, Kunst zu machen?

Ich denke ja. Du hast den finanziellen Hintergrund und ein gewisses Anspruchsdenken. Wenn du weniger Privilegien hast, dann hast du mehr Selbstzweifel. Ich habe mit 26 mit der Uni angefangen und erst mal sehr viel Zeit damit verbracht, so zu sprechen wie die Leute dort. Die wirkten alle so schlau auf mich. Ich wollte so sprechen wie sie. Wenn du nicht daran gewöhnt bist, dass Menschen dir zuhören, ist es schwierig, Dinge zu sagen. Das hat auch mit Geschlechtern zu tun: Männer sind eher daran gewöhnt, dass ihnen zugehört wird. Diese Dynamik funktioniert ebenso mit der sozialen Schicht.

Was bedeutet der Name des Stücks „Workshy“?

Das ist ein abwertender Begriff für Arbeitslose in Großbritannien. Es ist kein besonders netter Begriff, aber das Stück soll auch nicht predigen, dass man es überall schaffen kann, wenn man nur hart genug arbeitet. Wenn du dämonisiert wirst, stehst du außerhalb der Gesellschaft. Aber ob du es schaffst, irgendwo hinzukommen, hat mit Selbstsicherheit und guten Verbindungen zu tun. Die haben nicht alle.

Interview Caren Miesenberger

Performance-Show „Workshy“: 21 Uhr, Kampnagel, Jarrestraße 20, Eintritt 15 Euro