Kommentar Pleite von Solarworld

Billig ist wichtiger als deutsch

Der deutsche Solarpionier ist pleite und das ist nicht schön. Aber weder ist die Energiewende daran schuld noch ist sie damit am Ende.

Die Sonne scheint aauf das Werk von Solarworld

Sonne gibt es auch weiterhin – nur die Arbeitsplätze im Gebäude sind jetzt weg Foto: dpa

Für die MitarbeiterInnen von Solarworld ist die Insolvenz des deutschen Solar-Pioniers ohne Frage bitter. Aber sie ist weder ein Zeichen für eine verfehlte Energiepolitik in Deutschland noch ein Problem für den Fortgang der Energiewende.

Gescheitert ist Solarworld nämlich vor allem daran, dass Solarzellen mittlerweile einfach zu fertigende Massenprodukte sind. Und die lassen sich in China oder Vietnam nun mal günstiger herstellen als in Sachsen. Daran kann die Politik wenig ändern. Und sie sollte es auch gar nicht versuchen.

Denn der dramatische Preisverfall, der Solarworld und anderen deutschen Unternehmen wie Solon, Conergy und Q-Cells das Genick gebrochen hat, hat zugleich dazu geführt, dass Solarenergie heute in vielen Ländern wettbewerbsfähig ist und einen weltweiten Boom erlebt. Für die Energiewende ist es wichtiger, dass Solarzellen billig sind, als dass sie aus Deutschland stammen.

Auch für ein Versagen der deutschen Energiepolitik ist die Solarworld-Pleite kein Beleg. Weder stimmt es, dass die hohen Solarsubventionen der Vergangenheit damit unsinnig waren, wie von konservativer Seite argumentiert wird. Denn erst diese haben dazu geführt, dass sich die Solarindustrie so schnell zum Massenmarkt entwickelt hat. Noch ist der später starke Rückgang der Solarvergütung schuld am Niedergang der deutschen Solarunternehmen, wie manche Grüne behaupten. Denn auch bei einer höheren Vergütung wären günstige Module aus China für Anlagenbetreiber attraktiver gewesen.

Ein Problem ist das Verschwinden der deutschen Hersteller höchstens, weil heimische Arbeitsplätze wichtig für die Akzeptanz der Energiewende sind. Doch auch hier ist Entwarnung angesagt: Komponenten wie Wechselrichter und Speicher werden hierzulande weiter gebaut, installiert werden Solaranlagen ebenfalls vor Ort. Insgesamt führt die Energiewende darum auch mit importierten Solarmodulen zu zusätzlichen Arbeitsplätzen.

 

Jahrgang 1971, ist Korrespondent für Wirtschaft und Umwelt im Parlamentsbüro der taz. Er hat in Göttingen und Berkeley Biologie, Politik und Englisch studiert, sich dabei umweltpolitisch und globalisierungskritisch engagiert und später bei der Hessischen/Niedersächsischen Allgemeinen in Kassel volontiert.

Im April 2014 ist sein Buch "Das Strompreis-Komplott" erschienen, das Lügen und Vorurteile rund um die Energiewende widerlegt. Es ist für 7 Euro im Buchhandel und im taz-Shop erhältlich.

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