Frankreichs Rechte nach der Niederlage

Frustration in der Fachosphère

Nach der verlorenen Wahl brauchen die extrem Rechten im Netz einen Sündenbock. Die aggressive Performance von Marine Le Pen sei schuld.

Verblasst und verquollen ist Marine Le Pens Gesicht hinter neben einer französischen Flagge zu sehen

Schwach. Marine Le Pen hat keine treuen Fans Foto: reuters

Das digitale Echo der Anhänger Marine Le Pens – die Fachosphère – auf die verlorenen Wahlen vom Sonntag, ist als eine Mischung aus Wut und Trotz zu lesen. Die Schuld an der Niederlage bekommt dabei hauptsächlich die Präsidentschaftskandidatin selbst in die Schuhe geschoben.

Bereits am Mittwoch nach dem letzten TV-Duell zwischen Emmanuel Macron und Marine Le Pen wurde die Präsidentschaftskandidaten im Forum Die Taverne der Patrioten, der extrem rechten Seite Fdesouche, heftig kritisiert. „Zu aggressiv“ und „an ihren Aufzeichnungen klebend“ sei sie in der Debatte aufgetreten.

Und auch im Jugendforum jeuxvideo.com 18-25, in dem nach einer internen Onlineauswertung 54 Prozent der Mitglieder Le Pens Kandidatur unterstützen, machte sich nach dem TV-Auftritt Enttäuschung breit. „Sie stammelt über den Euro“ und „sie wiederholt sich ständig, nichts als Wiederholungen“ sind Kommentare von FN-Unterstützer_innen, die über das Forum gingen.

Missmut über Le Pen und den FN bestimmen auch nach der Wahl die rechten Netzdebatten. Im News Blog des FdeSouche wird die Ansicht des Journalisten Eric Zemmour, der rechtskonservativen Zeitung Figaro, unterstützt, der der Meinung ist, dass sich Marine Le Pen sich zu stark von Florian Phillipot und dessen linken Ideen beeinflussen lassen hätte und die soziale Frage über die Identitäre gestellt habe. Diese Kritik bekam Le Pen auch während des Wahlkampfs immer wieder zu hören, nicht nur von ihren Wähler_innen, sondern auch von den Spitzenkräften ihrer Partei, die finden, Phillipot habe zu großen Einfluss auf Le Pen. Während die Einen die Struktur des FN kritisieren, ist für andere die Konsequenz der Wahlniederlage, neue Wege abseits des FN einzuschlagen.

Rechte wollen FN vertreiben

So twittert Pierre Sautarel der Gründer der Seite FdeSouche, dass Schluss sein müsste den Kampf allein auf politischer Ebene zu führen und zivilgesellschaftliches Engagement forciert werden müsse. „Hören wir auf die Zukunft Frankreich einzig auf dem hypothetischen Gewinn einer Wahl zu reduzieren und bekommen endlich unsere Hintern hoch“. Und in einem retweet eines anderen Users: „Lasst uns den FN vertreiben und eine kompetente Partei aufbauen“.

Die hauptsächliche frustrierten Reaktionen aus der Fachosphère verwundern, da der FN mit Marine Le Pen immerhin 33,9 Prozent Stimmen erhalten hat – mehr als je zuvor bei einer Wahl. Bis zum Ende hatte der FN einen konfrontativen Wahlkampf geführt und versucht Emmanuel Macron durch Anfeindungen und Fake News zu schwächen.

Neben Parodie-Videos auf Youtube, die mit dem Titel der „Wahre Macron“, den neuen französischen Präsidenten in ein schlechtes Licht rücken sollten, sendete der FN-Vizepräsident Phillipot am vergangenen Freitag eine Twitter Nachricht, in der er behauptete Macron hätte in einer SMS dazu aufgerufen gewalttätig gegen FN-Unterstützer vorzugehen. So hat der FN in diesem Wahlkampf alle Register gezogen, um ein Maximum an Stimmen für sich zu verbuchen.

Doch die Stimmung in der Fachosphère scheint schlecht und es wird sich zeigen, ob Marine Le Pen ihre sonst so treuen Unterstützer_innen aus dem Netz für sich zurückgewinnen wird.

 

Frankreich nach dem Superwahljahr: Emmanuel Macron ist Staatspräsident, seine Bewegung La République en marche hat die Mehrheit im Parlament.

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