Lobbyistin für Frauen

Hannelore Buls ist jetzt die mächtigste Frau im Land in Sachen Frauen- und Familienpolitik. Vor wenigen Tagen wurde die 60-Jährige zur Vorstandsvorsitzenden des Deutschen Frauenrates (DF) gewählt. Der Lobbyverband vertritt als Zusammenschluss von rund 55 bundesweit aktiven Frauenverbänden und -gruppen über 10 Millionen Frauen.

Moment mal, mächtigste Frau für Gender-Fragen? Ist das nicht Kristina Schröder, die Frauen- und Familienministerin? Formal ist sie das. Aber praktisch fühlen sich nur wenige Frauen (und Männer) durch die CDU-Politikerin vertreten. Eher aufgehoben fühlen sie sich bei Aktivistinnen wie Hannelore Buls.

Die kämpft als ehemalige Leiterin des Ressorts Gleichstellungspolitik beim Vorstand der Gewerkschaft Ver.di seit Jahrzehnten dafür, dass Frauen für gleiche Arbeit gleichen Lohn erhalten wie ihre männlichen Kollegen, dass Männer aus der Alleinverdienerrolle rauskommen und dass Pflege von Frauen wie Männern übernommen wird. Sie kämpft gegen Minijobs und überholte Steuerprivilegien, für Sozialversicherungen ab dem ersten verdienten Euro und für mehr Frauen in Führungsposten.

„Es geht mir darum, Ungerechtigkeiten zu beseitigen“, sagt Hannelore Buls. Die meisten Nachteile haben heute nach wie vor Frauen, sagt die Sozialökonomin und Expertin für Arbeitsmarkt und Sozialpolitik. Vor allem Frauen arbeiten in Minijobs, Buls bezeichnet sie als „Aushilfen der Nation“. Etwa 3,5 Millionen der insgesamt 7 Millionen Minijobber verdienen laut Sozioökonomischem Panel weniger als 6 Euro Brutto pro Stunde. Hannelore Buls hat ausgerechnet, dass ArbeitgeberInnen insgesamt bis zu 12 Milliarden Euro sparen, wenn sie MinijobberInnen einstellen. Den ArbeitnehmerInnen entgehen Einnahmen von über 12 Milliarden Euro und den Sozialkassen über 9 Milliarden Euro.

Das darf man der Wirtschaft und Teilen der Politik nicht länger durchgehen lassen, findet Hannelore Buls. Gleichzeitig räumt sie mit dem Klischee auf, dass viele Frauen solche Jobs freiwillig machen, „um Kinder haben zu können“.