Kommentar Aussage von James Comey

Hoffen auf mehr Stoff

Sitzungen wurden verschoben, Public Viewings angesetzt. Weite Teile Amerikas hängen an Comeys Lippen. Er erfüllt die Erwartungen.

James Comey vor einem Mikrofon

Hoch erhobenen Hauptes gegen den Präsidenten Foto: reuters

Wie weit haben sich die politischen Parameter in den Vereinigten Staaten in diesem knappen halben Jahr der Ära Trump schon verschoben?

Da sitzt der gerade geschasste FBI-Direktor James Comey vor einem Kongressausschuss, er legt Zeugnis ab über seine Gespräche mit Präsident Donald Trump zu den Russland-Verstrickungen. Es ist jener geschasste FBI-Direktor, der die Niederlage von Hillary Clinton bei den Präsidentschaftswahlen durch Aussagen zu ihrem E-Mail-Account zumindest nicht verhindert hat, um das ganz vorsichtig zu sagen. Und jetzt? Da hängen weite Teile der Öffentlichkeit Amerikas und nicht zuletzt Europas an Comeys Lippen und saugen begierig jede Aussage über Trumps Lügen, Erpressungen und Drohungen auf, als ob es Sauerstoff sei.

Sitzungen wurden verschoben, Public Viewings angesetzt, jedes große Medium war am Donnerstag 10 Uhr Ortszeit mit Livestream oder Live-Blog am Start. Die Aussage Comeys war ein Muss auf der Agenda insbesondere derjenigen, die jeden Tag wünschen, hoffen und vielleicht auch dafür kämpfen, dass dieser Präsident früher als in vier Jahren einmal Vergangenheit sein könnte. Comey erfüllt die Erwartungen. Er bezichtigt den amtierenden Präsidenten der Lüge, Trump habe über die Gründe für Comeys Entlassung die Unwahrheit gesagt. „Es ist Lüge, reine Lüge.“ Wieder und wieder vermittelt der ehemalige FBI-Chef, wie man es aufzufassen habe, wenn der Präsident im Oval Office die Hoffnung ausdrückt, dass eine gewisse Ermittlung fallen gelassen werden solle.

Und während die republikanischen Senatoren Comey verbal in die Ecke zu treiben versuchen, gieren die Demokraten nach mehr Stoff aus dem Hause Trump. Es ist, als ob die Demokratischen Staaten von Amerika kurz vor dem Er­stickungstod stünden.

 

Seit Januar 2017 haben die Vereinigten Staaten einen neuen Präsidenten: Donald Trump. Wie der Republikaner das Land verändert.

US-Spezialistin mit Hang zu engagiertem Journalismus. Ist aus Washington, wo sie als USA-Korrespondentin des Tagesspiegel gelebt hat, 2016 zur taz gekommen; nachdem sie hier schon von 1996 bis 2001 Redakteurin war.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Wenn Sie Ihren Kommentar nicht finden, klicken Sie bitte hier.

Ihren Kommentar hier eingeben