Frei gelesen

AUFTAKT Die Freischreiber starteten in Berlin ihre Mini-Lesereise und ließen noch Luft nach oben

Der Musikindustrie geht es ähnlich schlecht wie dem Printjournalismus. Weil die Absätze sinken, wird das Livekonzert als Einnahmequelle immer wichtiger. Ein Geschäftsmodell auch für Journalisten?

Anscheinend ja. Denn der Berliner frannz-Club war am Sonntagabend mit rund 120 Besuchern voll, als der Berufsverband freier Journalisten, Freischreiber, anlässlich seines ersten Geburtstags den Auftakt einer Mini-Lesereise veranstaltete. Moderator und Freischreiber-Vorsitzender Kai Schächtele betonte eingangs beflissentlich, wie „vielfältig und bunt“ die Arbeit freier Journalisten sei und dass der Abend „unterhaltsam und heiter“ werde.

Das konnten die Texte, geschrieben von 7 der 270 Freischreiber und gelesen vom Schauspieler Max von Pufendorf, aber nur zum Teil einlösen. Zumal unklar blieb, was an ihnen speziell freiberuflerisch ist.

Gleich zwei Stücke handelten von ostdeutschen Neonazis, ein weiteres von einem Stasi-Skandal. Klar, wichtige Themen, auch gut recherchiert und geschrieben – aber aufgrund ihrer aufklärerischen Dramaturgie nicht wirklich bühnentauglich. Spannender war, was die Autoren anschließend zur Entstehung ihrer Texte erzählten.

Auch ein Stück vom sonst so bissig-lustigen Medienjournalisten Stefan Niggemeier gab dem Abend wenig Unterhaltsames: Der Text war vier Jahre alt und dezent selbstbeweihräuchernd.

So sorgten Barbara Schaefer – einzige Frau auf der Bühne – und Nicol Ljubic für die Highlights: Sie mit einem den Tod einer guten Freundin reflektierenden Text, er mit einem Beitrag über die Zerschredderung der Restbestände seines Debütromans zu Dämmstoff – „unterhaltsam und heiter“ (Schächtele).