Bundestagswahl-Service (4): Deutsche Mitte von J.-P. Baeck

Die Wahrhaftigen

CDU, SPD, Grüne und Linke sind im Bundestag. In Bremen wollen am 24. September noch weitere Kleinstparteien zur Wahl antreten. taz.bremen stellt sie vor – anhand der vier wichtigsten Faktoren. Heute: die Deutsche Mitte

Street-Credibility: niedrig

Ja, die Anhänger der Kleinstpartei Deutsche Mitte sind auf der Straße zu sehen, etwa zwei Wochen lang sammelten sie in Bremen Unterschriften, um zur Wahl zugelassen zu werden. Gleichwohl: Niemand kennt diese Freaks. Chef ist der ehemalige ARD-Journalist Christoph Hörstel, der heute gern gesehener Fernsehgast beim deutschen Ableger von „Russia Today“ ist, wo er Putin lobt. Auf der Straße werden Anhänger der Partei mittlerweile nach eigenen Aussagen selbst von der „selbsternannten Friedensbewegung“ ausgeschlossen.

Digitale Präsenz: sehr hoch

Eine Internetsuche bringt ungefähr 35.500.000 Ergebnisse, aber nur ein Bruchteil dreht sich um die Partei. Gleichwohl: Das Internet ist für die Anhänger Medium Nummer eins. Nur hier finden sie die Wahrheit über Chemtrails, Masernimpfungen oder die „Migrationswaffe mit ihrer Masseneinwanderung gegen Deutschland“. Alles andere sind Lügen der „Systemmedien“ und „der Mächte, die eine neue Weltordnung mit zentralistischer Kartellherrschaft anstreben“.

Weirdness: extrem hoch

Sie wollen „mittig“ sein, vertreten aber verschwörungstheoretische und rechte Positionen, die an Reichsbürger erinnern, etwa zur mangelnden Souveränität Deutschlands. Sie wollen die Deutsche Mark zurück, sind gegen Zinsen, das „Schuldgeld“ und folgen unter anderem Ideen des rassistischen Anthroposophie-Gründers Rudolf Steiner. Unterstützt werden sie von der Hip-Hop-Band „Die Bandbreite“, die sich einst als „links“ verstanden wissen wollte und bei DKP-Veranstaltungen auftrat, aber schon immer verschwörungstheoretischen Quatsch unter anderem zum 11. September von sich gab.

Durchhaltevermögen: mau

2013 trat der spätere Parteigründer Hörstel in Potsdam für „Gerechter Friede – Sozialer Fortschritt“ zur Bundestagswahl als Direktkandidat an und erhielt 0,4 Prozent der Stimmen. Im gleichen Jahr gründete er die Partei „Neue Mitte“, den Vorgänger der Deutschen Mitte.