heute in Bremen

„Das ist Augenwischerei“

Petition Die Bürgerinitiative „Platanen am Deich“ will vor dem Petitionsausschuss Bäume retten

taz: Herr Christiansen, würden Sie sich an einen Baum ketten?

Gunnar Christiansen: Ja, würde ich machen. Obwohl vielleicht würde ich lieber auf den Baum draufklettern und mich oben festmachen. Das wäre aber die letzte Konsequenz: Wenn auf Teufel komm raus die 136 Platanen am Deich gefällt werden sollen – trotz der vielen anderen Möglichkeiten, den Hochwasserschutz zu gestalten. Ich hoffe, dass es nicht so weit kommt.

Was tun sie dagegen?

Wir haben eine Bürgerinitiative zum Schutz der Platanen am Deich gegründet und 1.500 Unterschriften gesammelt. Heute kommt unser Anliegen vor den Petitionsausschuss. Die geplanten Baumaßnahmen von Senator Lohse verstoßen gegen das Bundesnaturschutzgesetz, nach dem Baumaßnahmen geringstmöglich in die Natur eingreifen sollen. Es gibt andere Varianten, sodass die Bäume stehen bleiben können.

Was glauben Sie, werden Sie heute erreichen?

Wir hoffen, dass wir mit den Abgeordneten sprechen können und sie die Petition zur Debatte in die Bürgerschaft weitergeben. Das wäre der richtige Rahmen, um über diesen massiven stadtökologischen Eingriff zu sprechen.

Der Senator sagt, die Platanen könnten bei einer Sturmflut umstürzen und so große Löcher in den Deich reißen. Haben sie keine Angst vor Flut?

Das stimmt nicht. Bestandsbäume können risikolos auf dem Deich stehen bleiben, wenn dort, wie ja geplant, eine Spundwand eingezogen würde. Die könnte als Innendichtung die Deichfunktion übernehmen. Die meisten Anwohner verstehen nicht, wie man mit dieser ökologischen Ressource so umgehen kann. Der Senator hat 2013 selbst eine Klimastudie verfassen lassen, die sagt, dass man diesen Grüngürtel von zwei Kilometer nicht anfassen sollte.

Aber sehen die Entwürfe für die neu gestaltete Promenade nicht wunderschön aus?

Doch. Sie sehen nach mediterranem Klima aus, geben aber leider nicht die norddeutsche Schmuddelwetter-Realität wieder. Auf den Bildern scheint die Sonne, das Ufer ist aber eigentlich eine Schattenstrecke. Das ist Augenwischerei. Interview gjo

öffentliche Sitzung des Petitionsausschusses, Bürgerschaft, Börsenhof A, Raum 301 B/C