Das Medienhaus an der Rudi-Dutschke-Straße bekommt ein neues Gesicht

Boulevard der Besten

Foto: Fabian Frost

Christine Stöckel

Christine Stöckel ist Übersetzerin. Von der Sprache, die sie beherrscht, dürften allerdings viele noch nicht mal gehört haben: Leichte Sprache. Rund um die Bundestagswahl ist eine Auswahl an taz-Texten auch in leichten Versionen verfügbar.

„Damit auch Menschen mit Lernschwierigkeiten sich über Politik informieren können“, sagt die gebürtige Niedersächsin. Sie hat das Projekt initiiert, dabei ist auch ihr erster Kontakt zur Leichten Sprache nicht lange her, die Begeisterung für die Idee wuchs aber schnell. Bei einer Recherche zur Ausstellung „Touchdown“ von und über Menschen mit Down-Syndrom vergangenes Jahr ist sie auf die kurzen Sätze gestoßen. „Ich hatte das vorher noch nie gesehen“ sagt die Medienwissenschaftlerin. „Ich dachte aber gleich: Das passt total gut zur taz.“

Dann ging die Arbeit los. Das Netzwerk Leichte Sprache gibt ein umfassendes Regelwerk heraus, das neben Sprachregeln auch Empfehlungen zu Typografie und Mediengebrauch umfasst. Übersetzungen werden von Prüfgruppen aus Betroffenen gecheckt.

Christine Stöckel hat das alles für die taz organisiert. „Zum Glück hatten wir etwas Zeit von der Idee bis zum Wahlkampf“, sagt sie, denn Leichte Sprache zu schreiben, kann ganz schön schwer sein: „Das Prinzip wurde bisher vor allem für Anleitungen genutzt“, sagt Christine, „journalistische Texte funktionieren anders.“

Von der Sprache, die sie beherrscht, dürften allerdings viele noch nicht mal gehört haben

Besonders Zeitsprünge und direkte Rede erschwerten die Übersetzung, sagt sie, „aber langsam bin ich so richtig reingekommen“. Sie würde gern weiter übersetzen, auch nach der Bundestagswahl. Als Onlineredakteurin ist Christine Stöckel seit drei Jahren bei der taz – auch das gern: „Ich hab viel gelernt. Hier ist jede Frage okay, auch, wenn sie einem selbst nicht so clever vorkommt.“

Vor lauter Arbeit kommt allerdings ihr Garten zu kurz: „Ich fahr gar nicht mehr hin, weil’s so peinlich ist, wie der mittlerweile aussehen muss.“ Für ihre zweite Leidenschaft, Film, nimmt sie sich aber die Zeit – und hofft, bald auch das Herzensthema barrierefreie Sprache damit verbinden zu können: „Vielleicht kann man bei Filmkritiken auch mal Untertitel oder Audiodeskriptionen berücksichtigen.“