Die Grünen-Vorsitzende plaudert vor Studierenden über Macht, Musik, Medien und die taz. Sie kritisiert die "Informationsüberflutung" im Netz und zeigt kindliche Begeisterung für Gaucks Kampagne.von René Martens

Leben mit der Blume: Claudia Roth beim kleinen Parteitag der Grünen in Köln im April 2010. Bild: dpa
HAMBURG taz | Vorstellen kann sich man das heute ja kaum noch, aber es gab eine Zeit, da wäre man gern dabei gewesen bei einem Parteitag der Grünen. 1986 zum Beispiel in Hannover, da diskutierten die Delegierten darüber, ob man die Reporterin Doris Köpf, die heutige Gattin von Ex-Kanzler Gerhard Schröder, aus dem Saal schmeißen dürfe, weil sie für Bild schreibt. Die Dame musste damals zunächst vor die Tür, aber die Partei machte die Entscheidung dann rückgängig, nachdem andere anwesende Journalisten geglaubt hatten, dagegen protestieren zu müssen.
Solche Episoden aus ihrem Berufsleben rekapitulierte Claudia Roth, damals Presssprecherin der Bundestagsfraktion der Grünen, heute Vorsitzende der Partei, am Donnerstagabend bei einer Veranstaltung zum Thema „Musik, Medien und Macht“ vor Studenten der Macromedia-Hochschule für Medien und Kommunikation in Hamburg. Mit Musik hat Roth zu tun, weil sie für die Öffentlichkeitsarbeit der Band Ton Steine Scherben zuständig war – bevor sie etwas Ähnliches bei den Grünen machte.
Die Studenten interessierten sich vor allem für Roths Umgang mit den Neuen Medien. Da ist die Parteichefin zwiegespalten. Einerseits ist sie verdrossen wegen der „Informationsüberflutung“, die es Politikern nicht mehr möglich mache, auf wichtige Themen angemessen zu reagieren, weil von ihnen gefordert werde, dass sie sich schnell zur nächsten Sache äußern.
Dabei gerieten Themen zu schnell in Vergessenheit, „die eigentlich eine gesellschaftliche Debatte erfordern“. Als Beispiel aus den letzten Tagen nannte Roth die Abschaffung der Wehrpflicht. Andererseits äußerte sie eine leicht kindlich anmutende Begeisterung für die digitale „Bürgerbewegung“ pro Joachim Gauck, obwohl die ganze Gauckelei im Netz – der Blog Spiegelfechter hat es kürzlich aufgedeckt – von SPD-Leuten inszeniert wurde.
Dass Claudia Roth überhaupt in die Politik landete – daran ist die taz nicht ganz unschuldig. 1985 stand dort im Blatt direkt neben der Werbung für eine Live-LP der gerade in Auflösung befindlichen Ton Steine Scherben – das Inserat hatte man laut Roth „in Naturalien“ (zehn Scherben-Platten) bezahlt – die Stellenanzeige für die Pressesprecherin der Grünen.
Von der taz aber fühlte sich Roth später zuweilen ungerecht behandelt. Die Roth 2002 vor einem Parteitag gewidmete Titelseite mit der Schlagzeile „Die Gurke des Jahres“ habe sie beinahe zum Rücktritt getrieben, sagt sie. „Und wenn Wiglaf Droste auf der Wahrheit zuschlägt“, sei das „schlimmer als alles“, was sie „jemals in der Bild-Zeitung erlebt“ habe.
Der gute Mann haut schon seit vielen, vielen Monden nicht mehr für die taz in die Tasten. Aber da Roth heute in der Regel „keine Zeitung mehr in der Hand“ hat, sondern alles „auf dem Blackberry“ liest, hat sie das wohl übersehen.
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Leserkommentare
26.06.2010 18:10 | Christoph Giesa
Wie kann man nur die schlecht recherchierten Ergebnisse eines Halbkönners wie "Spiegelfechter" als Massenmedium blin überne ...
25.06.2010 14:40 | reyno
Ja, der Wichlaf, unser Scharfdichter. Unser Bundeswasserwerk Petra Roth flennt aber auch immerfort nach einer Droste-Therap ...
25.06.2010 14:13 | elmo_ki
Beleidigte Claudia, beleidigte taz...