Petition der Woche

Tierwohl in der Krippe

Auf einem Weihnachtsmarkt im ostwestfälischen Bad Salzuflen gibt es eine lebendige Weihnachtskrippe. Eine Gruppe will dessen Ende erwirken.

Eine Weihnachtskrippe

Die Gegner der bewegten Krippe wünschen sich eher so eine in groß Foto: dpa

Zu Hunderttausenden strömen dieser Tage die Deutschen über ihre geliebten Weihnachtsmärkte. Glühwein, Zimtgeruch und bunt geschmückte Stände, in kaum einem anderen Land sind die Innenstädte vor den Feiertagen so voll.

Auch im ostwestfälischen Bad Salzuflen zieht es die Bewohner auf den Markt. Doch zwei Schafe, ein Esel und ein Kalb stören in der Kleinstadt die besinnliche Stimmung. Seit einigen Jahren sorgen sie für Streit, aus dem Zwist ist inzwischen eine Petition entstanden. Der Grund: Die Tiere werden von morgens bis abends in einem kleinen Stall eingepfercht, sind Teil einer lebendigen Weihnachtskrippe.

Kurz vor der Eröffnung des diesjährigen Weihnachtsmarkts ist deshalb in den sozialen Netzwerken der Region eine Diskussion entbrannt. Während einige Bad Salzufler die alte Tradition verteidigen, sprechen andere von Tierquälerei. „Man muss nur zehn Minuten in Stallnähe stehen, schon hört man die Tiere wimmern“, sagt eine junge Frau aus Bad Salzuflen. Sie ist Teil einer Gruppe, die sich dem Tierwohl verpflichtet fühlt und ein baldiges Ende der lebendigen Weihnachtskrippe fordert.

Die Diskussion wird aktuell in vielen Städten geführt: Sollte man dem Wanderzirkus die Erlaubnis entziehen, wenn er Tiere hält? Sind Zoos in ihrer jetzigen Form noch zeitgemäß? Und ist nicht auch die durch einige Straßen ziehende Pferdekutsche nichts anderes als Tierquälerei?

Anlass der Petition: Tierquälerei auf dem Bad Salzuflener Weihnachtsmarkt

Das wollen die Initiatoren: Abschaffung der lebendigen Weihnnachtskrippe

Das wollen sie wirklich: Beim Bratapfel nicht an Tierleid erinnert werden

Immer wieder organisieren städtische Tierschützer Kampagnen und überzeugen ihre Kommunalpolitiker von Verboten und Boykottaufrufen. Nach Paragraf 3, Absatz 6 des Tierschutzgesetzes ist es in Deutschland verboten, „ein Tier zu einer Filmaufnahme, Schaustellung, Werbung oder ähnlichen Veranstaltung heranzuziehen, sofern damit Schmerzen, Leiden oder Schäden für das Tier verbunden sind“. Für die Salzuflener Tierschützer ist der Fall klar: Das Zurschaustellen der Tiere auf dem Weihnachtsmarkt bedeutet Qual. Es ist eng, laut und stressig. Die vielen Besucher, die ohrenbetäubende Musik, der viel zu kleine Stall. All das kann nicht gut für Tiere sein, finden sie.

Nun soll eine Petition Abhilfe verschaffen. 452 Menschen haben sie bisher unterzeichnet, davon 274 aus Bad Salzuflen. Mit ihrem Anliegen richtet sich die Petition an den SPD-Bürgermeister Roland Thomas, den Organisator des Weihnachtsmarkts, Michael Welslau, und an Ulrich Tietz, den Fachdienstleiter des Ordnungswesens. Noch in der Weihnachtszeit wollen die Aktivisten ihnen die Unterschriften überreichen. „Lebende Tiere auf Weihnachtsmärkten sind keine Attraktion, die in unsere Zeit gehört!“, schreiben sie in ihrem Aufruf.

Dieser Text stammt aus der taz am wochenende. Immer ab Samstag am Kiosk, im eKiosk oder gleich im praktischen Wochenendabo. Und rund um die Uhr bei Facebook und Twitter.

Der „Bad Salzufler Weihnachtstraum“ soll somit Vorbild für die Region werden. Denn mit seiner Märchenbühne, Konzerten, Lesungen und der alljährlichen Preisverleihung für den schönsten Weihnachtsbaum der ansässigen Grundschulen ist der Markt in dem Kurort auch ein soziales Event. Die weihnachtlichen Highlights, das gemeinsame Einsingen an Heiligabend und das große Abschlussfeuerwerk ziehen Menschen aus der ganzen Region in die Stadt mit den vielen Thermalquellen.

Ohne wimmernde Tiere würde der Weihnachtsmarkt in Bad Salzuflen sicher ein noch attraktiverer Ort werden.

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