Veddeler Bombenleger ist Rechtsextremist

Täter mit rechter Biografie

Der Mann, der am Sonntag auf der Veddel eine selbstgebaute Bombe zündete, hat eine rechtsextreme Vergangenheit. Wegen Totschlags saß er schon in Haft.

Tatort Veddel: Hier detonierte am Sonntag die selbstgebaute Bombe Foto: Daniel Bockwoldt;/dpa

HAMBURG taz | Seit Dienstag sitzt Stephan K. in Haft. Der Ermittlungsrichter hält dem 51-Jährigen vor, am vergangenen Sonntagabend am S-Bahnhof Veddel eine Sprengstoffexplosion herbeigeführt zu haben. Zu den Motiven schweigt der Beschuldigte.

Der Verdacht, dass die Tat aus rassistischen Motiven begangen wurde, liegt nahe: Auf der Veddel haben rund 70 Prozent der Anwohner einen Migrationshintergrund. Zudem hat S. eine rechtsextreme Vergangenheit.

Vor 25 Jahren war der 51-Jährige wegen der brutalen Tötung eines 53-Jährigen, der Adolf Hitler als Verbrecher bezeichnet hatte, zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Mit einem damals 19-jährigen Skinhead-Kameraden hatte S.in Buxtehude auf den ehemaligen Kapitän Gustav Schneeclaus so stark mit Springerstiefeln eingetreten und den Mann geschlagen, dass dieser drei Tage später im Krankenhaus den Verletzungen erlag.

In den bisherigen Pressemitteilungen spricht die Polizei nicht von einem möglichen rassistischen Tathintergrund. Der Täter ohne festen Wohnsitz sei der Polizei nur noch wegen kleinerer Diebstähle aufgefallen, zudem soll er der Trinkerszene angehören.

Politische Relativierung beunruhigt Linksabgeordnete

Dass S. nicht als ehemaliger Neonazi bezeichnet wird, folgt der Polizeilogik, dass Neonazis, die nicht mehr an rechtsextremen Aktionen teilnehmen und keine Straftaten mehr begehen, ausgestiegen sind.

Diese Sichtweise hinterfragen Ausstiegsinitiativen immer wieder – sprechen eher von einem „Aufhörer“, der sein rechtes Denken nicht hinterfrage. Die politische Relativierung durch die Bezeichnung des Täters und der Ausblendung des Tatortes bewegt Antifa-Kreise dazu, die Behörden nach den NSU-Morden und –Bombenanschlägen zu fragen, ob man denn nichts gelernt habe. Am Montag fragte die Bundestagsabgeordnete der Linken Martina Renner auf Twitter: „Wer könnte gemeint sein?“

Die Polizei spricht nicht von einem rassistischen Motiv, der Täter sei lediglich wegen kleinerer Diebstahldelikte bekannt

Die Explosion, die S. am Sonntag auslöste, soll laut Polizei von einem starken Böller stammen. Unklar ist noch, ob sich in der „Bombe“ auch Schrauben befanden. Eine Person erlitt durch die Detonation ein Knalltrauma, eine Glasscheibe eines Windfanges wurde beschädigt.

Ähnlicher Bombenanschlag 2000 in Düsseldorf

Der Ort erinnert an einen anderen Bombenanschlag. Am 27. Juli 2000 legte ein Rechtsextre­mer in Düsseldorf an einen Bahneingang eine Rohrbombe. Durch die Zündung an der S-Bahn-Station Am Wehrhahn wurden zehn Menschen zum Teil schwer verletzt – sie waren so genannte Kontingentflüchtlinge aus Russland und der Ukraine. Ein Splitter der Bombe mit TNT verletzte eine Schwangere und tötete ihr ungeborenes Kind. Erst 17 Jahre später konnte die Polizei den Attentäter stellen.

Den schnellen Fahndungserfolg in Hamburg ermöglichte die Auswertung von Videoüberwachungsmaterial. Einen Tag nach dem Anschlag erkannte ein bürgernaher Beamter den Täter in der Lauterbachstraße nahe dem Polizeikommissariat 46 und nahm ihn vorläufig fest.

Für Freitag ist eine Antifa- Kundgebung am S-Bahnhof Veddel geplant. Im Aufruf heißt es: „Wir fordern rechten Terror als solchen auch zu benennen.“

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