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Kämpfer für den Frieden

Das Norddeutsche Netzwerk Friedenspädagogik wirbt für Alternativen zur Kriegslogik. Nächste Tagung im Februar

Von Joachim Göres

Es sind Aktionen wie die vor dem Internationalen Maritimen Museum in Hamburg, mit der das Norddeutsche Netzwerk Friedenspädagogik für Gewaltfreiheit werben will: Bunte Strickkunst umhüllte da vor drei Jahren die Kanonen des Flaggschiffs Lord Nelsons. Die Aktion unter dem Motto „Präservative für Kanonen“ sollte den Blick auf die kritiklose Darstellung von Waffen und Gewalt in dem Museum lenken.

In dem Netzwerk haben sich Gruppen wie der Verein „Kulturpixel“, das „Institut für konstruktive Konfliktaustragung und Mediation“ (siehe Text unten), die „Peace Brigades International“ sowie kirchliche Ini­tiativen zusammengeschlossen, die sich für Gewaltfreiheit bei Konflikten zwischen Individuen, Gesellschaften und Staaten einsetzen.

„Unsere Kurse zum Thema Flüchtlinge und Fluchtursachen sind ausgebucht“, sagt Pastor Lutz Krügener, Referent für Friedensarbeit in der evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannover. Gleichzeitig nehme bei engagierten Menschen die Haltung zu, dass einem nichts anderes mehr übrig bleibe, als militärisch einzugreifen.

Kein radikaler Pazifismus

Krügener bildet unter anderem Multiplikatoren aus, die in Schulen oder Kirchengemeinden Projekte zu Themen wie Gewalt, Rassismus, globale Gerechtigkeit oder Flüchtlinge durchführen. Dabei sieht er in dem Netzwerk keinen Konsens für eine radikalpazifistische Haltung. „Militärische Gewalt ist die Ultima Ratio und der 100. Schritt in einem Konflikt. Ich will über die 99 Schritte davor sprechen“, sagt er.

Die Netzwerker wollen zeigen, wie erfolgreich Vermittlungsbemühungen in Konflikten sein können. Die Wanderausstellung „Peace Counts. Die Erfolge der Friedensmacher“ präsentiert Reportagen über Menschen unter anderem in Indien, Armenien und dem Libanon, die über ethnische, religiöse und politische Barrieren hinweg verfeindete Lager zusammengebracht haben. „Es gibt viele erfolgreiche zivile Ansätze, doch sie dringen nicht in die Öffentlichkeit durch“, sagt Krügener.

Paul Steffen sieht das etwas anders. Er ist Politikwissenschaftler an der „Jungen Akademie für Zukunftsfragen“ im evangelischen Kirchenkreis Hamburg-West/Südholstein und wie Krügener im Netzwerk aktiv: „Es stimmt zwar, dass Geschichten, die in ‚Peace Counts‘ erzählt werden, oft in der aktuellen Berichterstattung über Konflikte und Kriege untergehen“, sagt er. Aber: „In Hamburg haben wir die Ausstellung in Schulen gezeigt und die Resonanz war sehr positiv.“

Durch die Fluchtbewegungen sei in Deutschland das Verständnis für globale Ungerechtigkeiten gestiegen. „In meinen Kursen zum Thema Islam und Vorurteil berichten Menschen immer wieder von ihren positiven Erlebnissen mit Flüchtlingen und gleichzeitig von ihrer Angst vor Terror. Es ist befreiend, darüber sprechen zu können“, sagt Steffen.

Mit seinen Ideen muss sich das Netzwerks dabei mittlerweile gegen mächtige Konkurrenz behaupten: Die Bundeswehr wirbt in Schulen verstärkt um Nachwuchs mit kostenlosen Vorträgen. Teilweise auch spielerisch: In „Polis“, einem interaktiven Planspiel der Bundeswehr, dessen Name für „Politik und Internationale Sicherheit“ steht, übernehmen Schüler unter anderem die Rolle von Staaten.

Eine andere Perspektive bietet da das von Friedenspädagogen entwickelte Planspiel „Civil Powker“, in dem Schüler überlegen können, wie man einen Konflikt friedlich löst und welchen Einfluss Individuen, Initiativen und Unternehmen in Deutschland ausüben können – zum Beispiel durch Demonstrationen und Kontakte zur betroffenen Bevölkerung in einer Krisenregion oder durch das Einfrieren von Kapital.

Dass das Spiel weniger bekannt ist als das der Bundeswehr, liegt für Krügener auf der Hand. „Anbieter für einen Projekttag mit Civil Powker wie die Peace Brigades sind auf Honorare und Fahrtkosten angewiesen, im Gegensatz zur Bundeswehr.“

Bereits seit zehn Jahren organisiert das Netzwerk einmal im Jahr eine Fachtagung für alle Interessierten mit Vorträgen und Workshops. Die nächste findet vom 22. bis 24. Februar in Bad Bevensen statt. Unter anderem wird ein OSZE-Beobachter über seine Erfahrungen beim Einsatz in der Ukraine sprechen.

netzwerk-friedenspaedagogik.de