boulevard der besten

Abdullah Khazmeh

Foto: Torben Becker

Noch mal nach Frankreich reisen, das wäre was. Die Nichte besuchen. Oder nach Heidelberg, weil es da einfach schön ist. Das ließe sich ja verbinden, der Philosophenweg liegt von Berlin aus ja quasi auf der Strecke nach Frankreich.

Als Roadtrip, in einem BMW oder in einem Mercedes. Diese Autos hat Abdullah Khazmeh nämlich besonders gern, kennt die verschiedenen Modelle. Schließlich exportierte sein Vater seit Ende der 1970er deutsche Autos in sein Heimatland Syrien, bis dieses dem Krieg zum Opfer fiel.

Abdullah aber ist hier, nach einer Verletzung durch Granatsplitter sollte er zum Militärdienst eingezogen werden und floh nach Deutschland. Schnell hat er sich hier selbst um seine Bildung gekümmert, das war und ist nicht immer leicht, die bürokratischen Hürden sind bekanntermaßen hoch. Aber das konnte Abdullah nicht aus der Ruhe und schon gar nicht um seine Freundlichkeit bringen.

Höflich ist er, lacht ehrlich bei der Begrüßung und gibt stets die Hand. In Damaskus hat er Politikwissenschaft studiert, wollte seinen Master machen, dann kam die Flucht dazwischen. Abdullah hofft nun, ihn in Berlin nachholen zu können. Am liebsten in Politik und Kommunikation, denn das Kommunizieren, das liebt er. Wegen besagter Probleme mit der Verwaltung steht das noch aus, deshalb und wegen seines Interesses für Medien ist er bei der taz gelandet, organisiert das diesjährige taz lab mit.

Bis über eine längere Aufenthaltsgenehmigung und somit auch Studienchancen in Berlin entschieden wurde, nähert sich der 27-Jährige auf seine sanftmütige Art zaghaft der deutschen Kultur. Mit Bier kann er zwar nicht besonders viel anfangen, da ist ihm ein guter Whiskey lieber. Das passt zu ihm, er wirkt wie ein Genussmensch. Der sich bewusst Zeit nimmt und ebenso bewusst seine Ziele in Angriff nimmt, das Korrekte ist ihm eigen.

Aus seinen Boxen klingt oft MoTrip, deutscher Rap, und am liebsten schaut Abdullah dem FC Bayern beim Fußballspielen zu. Noch lieber würde er selber spielen – neben der Arbeit die Möglichkeiten dazu auszuloten, ist ob der Tage in der taz nicht leicht. Vielleicht beim Hochschulsport, wenn der Master in Berlin endlich klappt. Wir wünschen es ihm von ganzem Herzen. Jann-Luca Zinser