das portrait

Satire-Politiker Bastian Langbehn macht es mit Grünen

Bastian Langbehn: schon zum zweiten Mal für Die Partei in die Lübecker Bürgerschaft eingezogen Foto: privat

FlaschBier, Kappe, coole Pose: So präsentierten sich Bastian Langbehn und die anderen von Die Partei in ihrem Musikvideo: „Es ist zwölf Uhr, ich wähl Die Partei – am 6. Mai, Baby, bist du mit dabei?“ Immerhin 2,5 Prozent der Lübecker Wähler*innen stimmten bei der Kommunalwahl, bei der es keine Sperrklausel gibt, für die Satire-Partei, die mit dem Slogan „Inhalte überwinden“ antrat. „Nach fünf Jahren Bürgerschaft frage ich mich aber allmählich, wer hier die Satire-Partei ist“, sagt Langbehn.

Der 35-Jährige wurde in Lübeck geboren und wuchs in Timmendorf auf. Ein Fan der Hansestadt sei er früher nicht gewesen, aber inzwischen hat er seine Ausbildung zum Tischler in Lübeck gemacht, hatte zeitweise einen eigenen Betrieb, lebt und arbeitet hier, und „jetzt regiere ich diese verdammte Stadt“.

Die Satire-Partei erhielt dieses Mal zwar fast doppelt so viele Stimmen wie bei der Kommunalwahl 2013, trotzdem wurde Langbehn wieder als einziger seiner Partei in die Bürgerschaft gewählt. Denn die Parteienlandschaft ist inzwischen eine andere und ganze elf Parteien schickten Kandidat*innen ins Stadtparlament, darunter die von den Grünen abgespaltene GAL und drei Kommunalparteien. Auch die AfD ist erstmals dabei.

„Ich denke, das nächste Halbjahr bringen wir damit zu, zu sortieren, wer wen mag“, sagt Langbehn. Wen er mag, ist klar: Er hat sich diese Woche der Fraktion der Grünen angeschlossen. Schon 2013 bildete der Die-Partei-Mann eine Fraktion mit den – auch in Lübeck untergegangenen – Piraten. Eine pragmatische Entscheidung, die dem Einzelkämpfer mehr Rechte einräumt, unter anderen kann er Anträge stellen. „Ich bin ja nicht zum Witze erzählen in der Bürgerschaft“, sagt Langbehn. Digitalisierung, Wohnraum, kostenlose Busse sind die Themen, mit denen er ernsthaft antritt.

Die nun um Langbehn gewachsene Grünen-Fraktion erhält einen Ausschussvorsitz, der sonst bei der AfD gelandet wäre. Prompt zog Langbehn im Netz den Unmut der AfD-Fans auf sich. Den kümmert das wenig: Neben der Pflege seiner beiden Schildkröten nennt er als liebstes Hobby: „Kommentare über mich im Netz ignorieren.“ Esther Geisslinger