piwik no script img

Wieder Proteste im Gaza-StreifenHamas verfehlt ihr Ziel

Nach den Mittagsgebeten strömen einige Tausend Palästinenser an den Grenzzaun zu Israel. Es sind weniger als gedacht.

Susanne Knaul

Aus Jerusalem

Susanne Knaul

Die seit knapp zehn Wochen andauernde Protestaktion „Großer Marsch der Rückkehr“ hätte am letzten Freitag des islamischen Fastenmonats Ramadan einen Höhepunkt erreichen sollen. Am Ende kamen nur noch einige Tausend Demonstranten an den Zaun. Auch in Jerusalem ging das Freitagsgebet auf dem Tempelberg ohne Proteste vorbei.

Nach dem letzten Schlagabtausch, als Ende Mai palästinensische Kämpfer einige Dutzend Mörsergranaten und Raketen auf Israel abschossen und Israels Armee umgekehrt Ziele der Islamisten aus der Luft und mit Panzergeschossen angriff, signalisierte die Hamas Bereitschaft zu Verhandlungen über eine Waffenruhe.

Die Islamisten erreichten mit dem „Großen Marsch der Rückkehr“ nicht ihr Ziel, die seit gut elf Jahren andauernde Blockade aufzubrechen, und ein Ende der wirtschaftichen Not ist ebensowenig greifbar, obschon der Protest über 120 Todesopfer und Tausende Verletzte forderte. International war der Einsatz israelischer Scharfschützen gegen die zumeist unbewaffneten Demonstranten schwer verurteilt worden. Das Bundesaußenministerium sprach von einer „Unverhältnismäßigkeit“ der Mittel.

Die islamistische Führung im Gazastreifen setzt nun offenbar auf schrittweise Reise- und Warentransporterleichterungen im Gegenzug zu Garantien, Israel nicht anzugreifen. Informationen des öffentlich-rechtlichen TV-Senders Kan zufolge hofft die Hamas auf die Genehmigung, einen Hafen zu errichten. Dafür wolle sie den Bau geheimer Tunnel nach Israel einstellen. Bei der Regierung in Jerusalem stießen die Angebote bislang auf wenig Euphorie.

Als Spielverderber bei Prozessen, die dem Gazastreifen und damit letztendlich den islamistischen Machthabern in der Küstenenklave förderlich sind, entpuppt sich die Palästinensische Autonomiebehörde im Westjordanland. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ließ jüngst durchblicken, er werde die Sicherheitskooperation mit Israel beenden, sollte die Gaza-Blockade gelockert werden.

Abbas versucht, die Hamas mit wirtschaftlichen Sanktionen zu Kompromissen zu zwingen, damit seine Fatah-Partei erneut die Kontrolle über den Gazastreifen übernehmen kann. Jede Maßnahme, die Lebensumstände der Menschen dort zu erleichtern, unterminieren den Plan des Palästinenserpräsidenten.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

4 Kommentare

 / 
  • "Palästinenserpräsident Mahmud Abbas ließ jüngst durchblicken, er werde die Sicherheitskooperation mit Israel beenden, sollte die Gaza-Blockade gelockert werden."

     

    Wie bitte? Abbas ist für die Blockade? Das sind ja mal Nachrichten.

  • 7G
    75026 (Profil gelöscht)

    "Einsatz israelischer Scharfschützen gegen die zumeist unbewaffneten Demonstranten" ?

    Vielleicht hat Frau Knapp das nicht mitbekommen, aber die allermeisten der Getöteten waren Mitglieder der Hamas oder anderer Terrororganisationen.

    • 7G
      75026 (Profil gelöscht)

      @75026 (Profil gelöscht):

      ... Frau Kaul natürlich. Sorry!

  • 9G
    97627 (Profil gelöscht)

    "Blockade"="Belagerung"