Torben Becker
sichtet die sozialen Bewegungen der Stadt
:

Flucht hat nichts mit Tourismus zu tun. Punkt. Chauvinistische Vorurteile in den Tönen von „Asyltourismus“-Behauptungen salonfähig zu machen, zeugt ausschließlich von plumper Kurzsichtigkeit, gar Menschenfeindlichkeit. Denn dabei handelt es sich um Anschlussangebote an extrem rechte und flache Gedanken. Die damit befriedigten Emotionen sind nichts als Blendgranaten, denn sie verstellen den Blick für einen konstruktiven Austausch.

Doch gibt es viele zivilgesellschaftliche Initiativen und Aktionen, die genau diesen suchen und fördern: Für viele ist Asyl beispielsweise nur ein Wort. Für einige jedoch nicht. Wie ein Asylverfahren überhaupt abläuft, welche Hürden es gibt und worauf man sowohl als Betroffene, aber auch als Unterstützende achten muss, wird heute im Projektraum Ami*Curiae in einer Infoveranstaltung diskutiert und erörtert. Eine Annäherung an die Funktionsweisen von Asyl- und Aufenthaltsrecht (21. 6., Prinzenallee 58 C, 18 Uhr).

Das effizienteste Mittel, nicht auf die angedeutete Kurzsichtigkeit reinzufallen, bleibt die Begegnung mit Menschen, deren Lebensrealität davon wirklich betroffen ist. Im Mai 2017 wurde der Kulturflughafen eröffnet. Dort veranstaltet CUBAWAZI Tempelhof am Freitag das Zirkus-Festival „Freedom of Movement 2018“. Die künstlerische Bearbeitung der Themen Flucht, Ankommen und Gesellschaft bieten Austauschmöglichkeiten mit Menschen aus vielen Teilen der Welt. Emphatisch wird hier ein Beitrag zur offenen Gesellschaft geleistet und Bewegungsfreiheit als essentieller Bestandteil unserer Gegenwart diskutiert (22. 6., Columbiadamm 84, 16 Uhr).

Warum Menschen fliehen und welche Hürden genommen werden müssen, ist am Samstag auch Gegenstand einer Konferenz im Haus „Neues Deutschland“. Betroffene, Anwält*innen und Journalist*innen berichten in Vorträgen und Diskussionen über Fluchtursachen, Menschenrechtsverletzungen und Asylrecht (23. 6., Franz-Mehring-Platz 1, 10 Uhr).

Die Hürden der „offenen Gesellschaft“ manifestieren sich jedoch nicht (nur) an den nationalstaatlichen Außengrenzen. Im Gegenteil, Unwägbarkeiten für ein solidarisches Zusammenleben sind alltäglich, urban und ländlich – dazu gehören beispielsweise Rassismus, Sexismus und Chauvinismus. Glücklicherweise gibt es vielseitigen Widerstand gegen diese Ismen: Am Samstag findet im Weitlingkiez ein Spaziergang gegen Neonazigewalt und Rassismus statt – ein Zeichen solidarischer Verbundenheit mit Betroffenen und gegen Diskriminierungen jeglicher Art (23. 6., U-Bahnhof Lichtenberg, 14 Uhr).