Konflikt zwischen Israel und Hamas

Tote nach Gewalt an Gaza-Grenze

Aus dem Küstengebiet feuerten Palästinenser Raketen in Richtung Israel, die Armee reagierte mit Luftangriffen. Mindestens drei Palästinenser starben.

Dunkler Rauch am Ende einer Straße

Rauch nach einer Explosion nach einem israelischen Gegenschlag im Gaza-Streifen Foto: dpa

BERLIN taz | Israel und die Hamas pendeln zwischen Krieg und Waffenstillstandsabkommen. Die islamistische Führung schoss seit Mittwochabend weit über einhundert Raketen auf Israel ab und verletzte mehrere Zivilisten zum Teil schwer.

Umgekehrt griff die israelische Luftwaffe zahlreiche Ziele im Gazastreifen an. Eine hochschwangere Palästinenserin und ihr eineinhalb Jahre altes Baby sowie mehrere Hamas-Angehörige starben bei den Bombardierungen. Israels Armee schickte Bodentruppen in die Grenzregion, um auf alle Entwicklungen vorbereitet zu sein, und ließ zusätzliche Raketenabwehrsysteme aufstellen.

Erst am Vortag hatte die Hamas ihre grundsätzliche Zustimmung zu einer Feuerpause kundgetan. Der ägyptische Geheimdienst vermittelt Hand in Hand mit Nickolaj Mladenow, dem UN-Sondergesandten für einen Nahost-Frieden, zwischen den Konfliktparteien Israel und Hamas, Hamas und Fatah.

Dem jüngsten Schlagabtausch, so teilte die Hamas mit, sei ein Missverständnis vorausgegangen. Die Hamas-Brigaden Al-Qassam hielten demnach unweit der Grenzanlagen eine militärische Übung ab. Dabei seien zwei palästinensische Scharfschützen von israelischen Soldaten offenbar als Bedrohung empfunden und getötet wurden. Aus Vergeltung für den Tod der beiden Männer feuerte die Hamas eine Serie von Raketen auf Israel ab, die Israels Armee wiederum mit Luftangriffen beantwortete.

Hamas im Gazastreifen unter Druck

Die Hamas gerät innenpolitisch unter den Druck der Bevölkerung, für die die Lebensumstände zunehmend unerträglich werden. Strom- und Wasserversorgung sind zentrale Probleme. Hinzu kommt, dass die Kaufkraft sinkt, nachdem die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) im Westjordanland die Gehälter für ihre rund 50.000 Beamten im Gazastreifen gekürzt hat, und dass die USA ihre Beiträge an die UNRWA, das UN-Hilfswerk für palästinensische Flüchtlinge, auf rund ein Sechstel der üblichen Zahlungen reduzierte.

Die israelische Regierung in Jerusalem ist innenpolitisch der Forderung ausgesetzt, den anhaltenden Angriffen aus dem Gazastreifen ein Ende zu setzen.

Weder Israel noch der Hamas könnte ein Krieg Vorteile verschaffen. Besatzungstruppen in den Gazastreifen zurückzuschicken, ist für Israel aktuell keine Option. Und ein Sturz der Hamas hätte unabsehbare Folgen.

Die Hamas würde mit einem Krieg zwar Zeit gewinnen und von der Kritik der Bevölkerung ablenken, wäre anschließend aber doch wieder mit denselben Problemen konfrontiert, zusätzlich zu neuer Zerstörung.

Ungeschriebene Regeln

Trotz der massiven gegenseitigen Angriffe halten sich beide Seiten an die ungeschriebene Regeln zur Vermeidung größerer Konfrontationen. Die Hamas sieht vorerst vom Einsatz weitreichenderer Raketen und Angriffen auf Ashdod, Beerschewa oder gar Tel Aviv ab.

Israel „kratzt die Hamas nur an“, so kommentierte Ehud Jaari, langjähriger TV-Analyst für arabische Angelegenheiten. Die Luftwaffe ziele auf Waffenlager und militärische Quartiere. Exekutionen führender Politiker, wie sie jüngst im Gespräch waren, gab es bislang nicht.

Die Vermittlungsbemühungen in Kairo werden sich aktuell auf eine rasche Feuerpause konzentrieren sowie auf eine Vereinbarung über das Einstellen der palästinensischen Demonstrationen und Angriffe mit Brandsätzen. Im Gegenzug müsste Israel vollen Warenverkehr ermöglichen, Reiseerleichterungen zustimmen und die Seeblockade für die Fischer in Gaza lockern.

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