Der Dieselskandal um Volkswagen

US-Aufseher fordert mehr Transparenz

Kontrolleur Larry Thompson legt eine Zwischenbilanz zum versprochenen Kulturwandel bei VW vor. Das Fazit: Es ist noch viel zu tun.

Larry Thompson redet

Kritisiert und lobt VW: US-Aufseher Larry Thompson Foto: dpa

BERLIN taz | Der von den US-Behörden im Zuge des Dieselbetrugsskandals bei VW eingesetzte Aufseher Larry Thompson fordert mehr Transparenz von dem Wolfsburger Autobauer. Thompson soll kontrollieren, ob VW den verordneten Wandel für eine integere Unternehmenskultur vollzieht. Er erwarte, dass der Autobauer ihm alle für nötig angesehenen Informationen zur Verfügung stelle, sagte Thompson bei der Vorstellung eines Zwischenberichts.

VW habe Dokumente geschwärzt und sich dabei auf Datenschutz und das Anwaltsgeheimnis berufen. Außerdem hat VW gegen zwei Auflagen verstoßen: Das Unternehmen hat nicht wie vorgeschrieben zehn Tage vor Beginn der Emissionstests für das Modelljahr 2017 die Umweltbehörde Carb schriftlich informiert.

Außerdem wurden in Handbüchern für die Mitarbeiterbefragung Fragen nicht aufgelistet, die Manager bei der Beachtung von US-Umweltgesetzen unterstützen sollen. Der Aufseher lobt auch: „Es sind eine Reihe von positiven Prozessen angestoßen worden“, sagte Thompson. Allerdings sei noch einiges zu tun, bis VW alle Verpflichtungen für eine neue Unternehmenskultur erfüllt habe.

Thompsons Einsatz bei VW ist Teil einer Vereinbarung, die der Autobauer mit den US-Behörden im Zuge der Dieselaffäre getroffen hat. VW hat wegen Abgasmanipulationen in den USA Strafen in Höhe von rund 4 Milliarden Euro gezahlt, insgesamt kostete der Skandal den Konzern weltweit bislang mehr als 27 Milliarden Euro. Außerdem hat VW sich gegenüber den US-Behörden zu Maßnahmen verpflichtet, um weiteren Betrug zu verhindern.

Besserung zugesagt

Dabei geht es um die Verbesserung der Kontrollen beim Entstehungsprozess der Autos, Umweltprüfungen und eine effektive Aufsicht, damit Mitarbeiter Regeln und Gesetze einhalten. Diese Neuerungen überwachen Aufseher Thompson und sein etwa 60-köpfiges Team bis Juni 2020. Thompson ist Republikaner und war von 2001 bis 2003 Generalstaatsanwalt in Washington, das ist der zweithöchste Posten im US-Justizministerium.

Der VW-Konzern hat in Sachen Transparenz Besserung zugesagt. Markus Dufner von der Organisation „Kritische Aktionäre“ findet die fehlende Offenheit bezeichnend: „Das entspricht dem Verhalten von VW in Sachen Dieselskandal“, sagte er. „Es mangelt dem Konzern an Aufklärungswillen.“ Die Eigentümerstruktur – VW gehört zum großen Teil Familienclans – verhindere einen echten Kulturwandel bei VW.

Bis 2020 soll Larry Thompsons einen Abschlussbericht fertigstellen. Darin muss der US-Aufseher bestätigen, dass Volkswagen alle Auflagen des US-Justizministeriums für eine integere Unternehmenskultur erfüllt. Sollte das nicht der Fall sein, drohen dem Unternehmen in den Vereinigten Staaten weitere strafrechtliche Maßnahmen. Vor Kurzem hatte Thompson kritisiert, VW habe zu wenig personelle Konsequenzen aus der Dieselaffäre gezogen. Inzwischen hat der Autobauer die Kündigung belasteter Mitarbeiter in Aussicht gestellt.

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