heute in hamburg

„Alles hat ‚rein und fein‘ zu sein“

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Horst Hühn, 72, Ingenieur und seit 30 Jahren ehrenamtlich bei Greenpeace aktiv.

Interview Hannah Maatallaoui

taz: Herr Hühn, warum werden jährlich Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen?

Horst Hühn: Nach den Statistiken vom Bund werden mehr als 50 Prozent der Lebensmittel im Haushalt weggeworfen. Das liegt an der Unkenntnis der Menschen.

Weil man denkt, dass die Lebensmittel verdorben sind?

Ja, zum Beispiel. Bei meinen Vorträgen bekomme ich immer wieder mit, dass das Mindesthaltbarkeitsdatum falsch verstanden wird. Viele werfen die Lebensmittel weg, wenn es überschritten ist. Das ist falsch. Es heißt ja Mindesthaltbarkeitsdatum und es steht nirgendwo in der Verordnung, dass das Essen danach giftig ist. Man muss zwischen dem Mindesthaltbarkeitsdatum und dem Terminus „zu verbrauchen bis“ unterscheiden.

Was ist der Unterschied?

Bei „zu verbrauchen bis“ gibt es eine klare Anleitung. Das gilt für rohes Fleisch und rohen Fisch. Da steht ganz genau: nach dem Überschreiten dieses Datums ist das Essen wegzuwerfen. Zudem muss man beachten, dass die Lagerbedingungen eingehalten werden: im Kühlschrank im untersten Fach bei 4 Grad. Dann sind die Lebensmittel auch bis dahin gut.

Welche Lebensmittel werden am häufigsten weggeworfen?

Obst und Gemüse. Das hat kein Mindesthaltbarkeitsdatum, aber wenn es ein wenig schrumpelig sind, wird es weggeworfen.

Warum sind die Verbraucher so pingelig?

Wenn die Ursache komplett erforscht wäre, könnte man gezielt etwas dagegen tun. Meiner Meinung nach hat das mit dem Anspruch zu tun, dass alles „rein und fein“ zu sein hat und Abweichungen von der Norm nicht gerne gesehen sind.

Wie kann man dem entgegenwirken?

Vortrag:Lebensmittelverschwendung stoppen!“: 19.30 Uhr, Hongkongstraße10

Entgegenwirken kann man nur durch Aufklärung und das schon bei jungen Menschen. Meine Erfahrungen sind da sehr positiv.

Was raten Sie noch?

Das erste ist ganz simpel: Geh nie hungrig einkaufen! Das andere ist, dass man sich vor dem Einkaufen aufschreiben sollte, was man braucht und dann gezielt einkaufen zu gehen.

Sind die Privathaushalte die größten Verschwender?

Die Verschwendung dort ist zwar ein wesentlicher Aspekt, aber an anderen Stellen besteht durchaus auch Verbesserungsbedarf. Dazu gehören bessere Lagermethoden und bessere Planung bei Kantinen. Einfach das Gefühl, dass Lebensmittel etwas Besonderes sind.