das portrait

Claudio Pizarro ist Bremens Lieblings-Einwanderer

Markenzeichen spitzbübisches Lächeln: Claudio Pizarro Foto: dpa

Als Anfang voriger Woche die Meldung kam, die Atemwege von Claudio Pizarro seien dicht, sorgten sich nicht nur die Anhänger von Werder Bremen um die Einsatzfähigkeit des Stürmers. Auch Bremens Politiker fürchteten um seine Teilnahme an einem Termin: Der Senat hatte Pizarro zu einem Botschafter für seine neue Einbürgerungskampagne ernannt. Momentan erfüllen 36.000 Bremer die Voraussetzungen für eine Einbürgerung, zuletzt sank die Einbürgerungsquote jedoch.

Pizarro fehlte dann tatsächlich bei der Vorstellung der Kampagne im Rathaus, ließ über die Werder-Homepage aber seine Gründe fürs Mitmachen mitteilen: „Ich habe in Deutschland vor zwanzig Jahren meine zweite Heimat gefunden. Mein ältester Sohn und meine Tochter sind in Bremen zur Welt gekommen, mein jüngster Sohn wurde in München geboren“, sagt Pizarro, der neben dem peruanischen und dem deutschen auch den italienischen Pass besitzt. „Meine Heimat ist zwar Peru, doch unser Zuhause ist Deutschland.“

Passend zu diesem Statement konnten Pizarros deutsche Herzens-Städte vor zwei Wochen den Kampf um dessen Sympathie im Stadion austragen. Als der Kosmopolit beim Spiel Werder gegen Bayern München in der 76. Minute eingewechselt wurde, erklang das obligatorische „Pizarro – oh-oh-oh“ zur Melodie von „Volare“ nicht nur in der Ostkurve, sondern besonders kräftig im Gästeblock.

Wären Sympathiewerte messbar, läge Pizarro auch in diesem Ranking ganz oben. Er kann allein durch sein Auftreten die Chemie im Raum wie auf dem Platz ändern. Dabei lässt sein spitzbübisches Lächeln manche Aussage hintergründig erscheinen, die bei drögeren Zeitgenossen nur nach Floskel klänge.

Auch der Botschafter-Posten wird Pizarro, der bereits dreimal zu Werder zurückkehrt ist, wohl nicht davon überzeugen, sich nach Karriereende ganz in Bremen einzubürgern. Seine Familie ist jetzt schon in München geblieben.

Für das Spiel gegen Fortuna Düsseldorf ist der 40-Jährige dann doch noch rechtzeitig fit geworden und trug – ausnahmsweise sogar in der Startelf – zum 3:1- Sieg bei. Ralf Lorenzen