wie machen sie das?

Der Freestyler

Yusuf Rieger, 23, aus Berlin ist Literaturstudent und Rapper. Er tritt regelmäßig auf der Bühne gegen andere Sprachkünstler an.

taz am wochenende: Herr Rieger, Sie improvisieren Rapzeilen auf vorgegebene Musik. Wie machen Sie das?

Yusuf Rieger: Das hat viel mit Vertrauen zu tun. Man weiß, dass es schon einige Male funktioniert hat und einem bisher immer irgendetwas eingefallen ist. Ein großer Faktor sind auch die anderen auf der Bühne, die einen motivieren und notfalls einspringen, wenn dir mal gar nichts mehr einfällt.

Wie genau läuft eine „­Cypher“ ab, eine solche HipHop-Freestyle-Session?

Ein paar sprachlich kreative Menschen treffen sich und schmeißen ohne Unterbrechung Worte und Gedanken durch den Raum. Es gibt hier im Gegensatz zu Freestyle-Battles, bei denen man den Gegner sprachlich fertigmacht, kaum Regeln. Ein DJ oder eine Band spielt im Hintergrund, und auf der Bühne stehen zwei bis drei Mikrofone. Wer Lust hat, schnappt sich dann ein Mikrofon und legt los. Es können bereits geschriebene oder auswendig gelernte Texte vorgetragen werden, die erfahrenen ­Freestyler sprechen aber einfach drauflos. Es muss sich auch nicht unbedingt reimen.

Um was geht es inhaltlich?

Es kann um alles gehen. Um die Topfpflanze am anderen Ende des Raums, um den täglichen Stress auf der Arbeit oder um die letzte verflossene Liebe.

Spielen tagesaktuelle Themen auch eine Rolle?

Das kommt immer auf den Künstler an. Da tagesaktuelle Geschehnisse in den meisten Köpfen eine Rolle spielen, kann man davon ausgehen, dass viel darüber gesprochen wird. Falls es politisch wird, sind die Texte in der Regel eher links einzuordnen.

Gibt es nach all den Auftritten noch Momente, die Sie überraschen?

Neulich hat jemand zum Beispiel bei einer Session „Alle meine Entchen“ und andere Kinderlieder in klassischer Rapmanier performed. Das war sehr amüsant. Ein anderes Mal schrie ein Performer aus heiterem Himmel: „Rettet die Bienen!“ Besonders unterhaltend ist es auch, wenn andere Sprachen oder Dialekte eine Rolle spielen. Man wundert sich oft, was für absurde und geniale Gedanken in den Menschen schlummern – bewusst oder unbewusst.

Haben Sie keine Angst davor, dass Ihnen mal gar nichts einfällt?

Nein, denn irgendetwas fällt einem immer ein. Mehr Angst habe ich davor, dass mir mal ein politisch unkorrekter Satz rausrutscht oder dass ich total den Faden verliere und wirres Zeug von mir gebe. Im Notfall kann man aber immer noch ehrlich zugeben, dass einem gerade nichts einfällt, und freestyled auf der Bühne über das eigene Unvermögen. Oder man gibt das Mikrofon einfach weiter.

Interview: Aron Boks