das portrait

Elliott Abrams, ewiger US-Jäger alles Linken und Unbequemen

Foto: Manuel Balce Ceneta/ap

Wenn er im Zusammenhang mit US-amerikanischer Außenpolitik eine Rolle spielt, dann geht es in aller Regel um den Kampf gegen alles, was irgendwie links ist, zu sein vorgibt oder zumindest den US-Interessen im Wege steht. Seit vergangenen Freitag ist Elliott Abrams, 71, Sonderbeauftragter der US-Regierung für Venezuela.

Seine politische Karriere allein verschafft der US-Regierung in ihren Beteuerungen, es gehe um die Wiederherstellung venezolanischer Demokratie, ein Glaubwürdigkeitsproblem. Meilensteine in Abrams’ Werk: ein heruntergespieltes Massaker in El Salvador, eine Verurteilung in Bezug auf die Iran-Contra-Affäre, Unterstützung des Putschversuchs in Venezuela 2002, Vorbereitung des mit Lügen begründeten Irakkrieges.

Abrams wurde 1948 in New York geboren, studierte in Harward und London Jura und internationale Beziehungen und arbeitete bis 1981 in verschiedenen Großkanzleien. Seit den 1970er Jahren in verschiedenen politischen Beraterfunktionen aktiv, wurde er in den 1980ern zu einer der wichtigen Figuren der Mittelamerikapolitik unter dem republikanischen Präsidenten Ronald Reagan. Es war die Zeit der eskalierenden Militärgewalt in El Salvador und Gua­temala – und des Aufbaus der Contra, die mit Finanzierung aus den USA gegen die Sandinisten in Nicaragua kämpften. Im Dezember 1981 beging eine von US-Ausbildern trainierte salvadorianische Spezialeinheit im Ort El Mozote eines der schwersten Massaker des Bürgerkriegs – viele Hundert Zivilist*innen wurden regelrecht abgeschlachtet. In einer Senatsanhörung spielte Abrams die Tat herunter, bezweifelte die Angaben über die Toten und lobte die Professionalität der Einheit.

Kritische Anhörungen im Kongress waren ihm ohnehin ein Gräuel. 1987 wurde Abrams in den USA verurteilt, weil er in einer Anhörung über den Iran-Contra-Skandal absichtlich falsche Informationen verbreitet hatte. Damals waren heimlich US-Waffen an den Iran verkauft worden, um mit den Erlösen die nicaraguanischen Contras zu unterstützen. Deren Finanzierung hatte der Kongress zuvor aufgrund ihrer zahlreichen Menschenrechtsverletzungen ausgesetzt. Abrams’ Strafe war symbolisch: 50 Dollar Bußgeld, 100 Sozialstunden und zwei Jahre Bewährung. Unter Reagans Nachfolger George H.W. Bush wurde er begnadigt.

In der Regierung spielte Abrams erst wieder unter Bushs Sohn eine Rolle: Als Sonderberater für den Nahen Osten und Nordafrika trat er im Juni 2001 in George W. Bushs Regierung ein, nutzte die Position, um Überzeugungsarbeit für den Einmarsch im Irak zu leisten. Seine Verbindungen nach Lateinamerika blieben. Als Venezuelas Opposition im April 2002 versuchte, den damaligen Präsidenten Hugo Chávez vom Thron zu putschen, wusste Abrams offenbar vorher Bescheid. Die US-Regierung erkannte damals den von den Putschisten zum Übergangspräsidenten ernannten Chef des Unternehmerverbandes umgehend an. Jetzt spielt Abrams wieder eine Rolle. Bernd Pickert

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