Jörn KabischAngezapft

Mein unendlich süffiges Alltagsbier

Foto: privat

Der Craftbeertrinker ist vom Wesen her ein Jäger und Sammler. Er braucht immer wieder Neues, gern Experimentelles, noch lieber Seltenes. Die Brauer haben sich auf die Jagd nach den Raritäten eingestellt, mit Einmalsuden, wechselnden Saisonbieren oder Jahreseditionen. Für den Craftbeerkritiker ist das ein Problem. Gut möglich, dass bereits ausgetrunken ist, was ich an dieser Stelle vorstelle. Der Text ist eventuell nur noch von historischem Wert, hilft allenfalls, den Blick auf die kommenden Kreationen eines bestimmten Brauers zu lenken.

Immer wieder werde ich nach meinem Alltagsbier gefragt. Ein Produkt, das mehr als nur ein paar Flaschen lohnt. Ein Bier, das auch ein Abendessen in größerer Runde mit verschiedenen Geschmäckern begleiten kann, aber trotzdem etwas Besonderes ist.

Ich greife in diesem Fall zu den Magnum-Flaschen von Andreas Seufert. Er braut in der bayrischen Rhön, und dort in Franken ist alles etwas größer: die Kartoffelklöße, das Schäufele oder die Anzahl der Bratwürste auf dem Teller. Es ist in den Wirtshäusern durchaus üblich, sich das Essen einpacken zu lassen, und dieser Doggybag-Kultur entsprechen auch ganz die Gebinde des Pax Bräu aus Oberelsbach, 1-Liter-Flaschen mit Bügelverschluss. Genau das Richtige, wenn Gäste kommen, vor allem, wenn es sich um das Märzen handelt: Das verträgt Luft und bleibt tagelang frisch.

Märzen ist ohnehin mein Favorit unter den Bierstilen. Dieses untergärige Bier, das sehr kalt vergären muss, wurde früher im März eingebraut und über den Sommer in Kellern gelagert, für die Erntefeste im Spätsommer und Herbst. Durch die Kühltechnik muss sich der Brauer heutzutage nicht mehr an diesen Kalender halten, aber lange Reifung ist Ehrensache. Dank ihr bildet sich eine angenehme Kohlensäure, die nicht auf, sondern im Bier sitzt.

Es gibt süßere Märzen als das von Andreas Seufert. Unendlich süffig ist es trotzdem. Der erste Eindruck ist säuerlich-malzig, wie man es von Roggenbrot kennt, dann kommt eine Spur Rauch ins Spiel, als hätte man auf die Kruste genau dieses Brots gebissen. Zum Ende hin meldet sich eine Spur zitronige Bitterkeit, die Lust auf mehr macht. Das alles auf Grundlage eines ehrlichen Alkoholkörpers, der mich zugleich zur Mäßigung und zu langsamem Genuss animiert. Dann entblättert sich das Bier weiter, je nachdem, was man dazu isst: Der Hopfen wird kräuteriger, das Malz nussig, enthüllt getrocknete Aprikosen.

Märzen, Pax Bräu, 5,6 Vol.-%

Sechs Flaschen habe ich noch im Keller. Ich finde den Inhalt genauso Magnum wie das Format. Und ab März, da gibt es das Märzen bei Pax Bräu auch wieder zu bestellen.