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Ölpest bedroht
französische Atlantikküste

Nach einem Brand auf einem italienischen Frachter breitet sich ein Ölteppich aus. Die Katastrophe sei einer Expertin zufolge aber nicht so dramatisch wie bei früheren Unfällen

Das Neue

Die französische Atlantikküste südlich von La Rochelle ist nach dem Schiffbruch des italienischen Frachters „Grande America“ von einer Ölpest bedroht. Die Behörden haben mehrere Schiffe in die Zone entsandt, um die Gefahr einer Verschmutzung am Atlantikufer so weit wie möglich zu verringern. Schlechte Wetterbedingungen und hoher Wellengang erschweren die Operationen. Ein Ölteppich von zehn Kilometer Länge und einem Kilometer Breite könnte am Sonntag oder Montag die Küstengewässer erreichen. 27 Personen, die sich an Bord des Schiffs befanden, das rund 2.000 Autos sowie 365 Container mit zum Teil giftigem Inhalt von Hamburg nach Casablanca in Marokko transportieren sollte, konnten sich vor dem Sinken des brennenden Frachters in einem Rettungsboot in Sicherheit bringen.

Der Kontext

Am vergangenen Sonntagabend meldete der Kapitän der „Grande America“ der französischen Küstenwache, dass auf seinem Schiff ein Brand ausgebrochen sei, er habe aber die Absicht, die Fahrt in Richtung des spanischen Hafens von La Coruña fortzusetzen. Wenige Stunden später musste er das Schiff mit der Besatzung und einem Passagier verlassen, da der Brand außer Kontrolle geraten war. Am Dienstag sank der Frachter etwa 330 Kilometer westlich von La Rochelle. Wie ein hässlicher Ölfleck auf der Wasseroberfläche seither bezeugt, ist vermutlich ein großer Teil des Treibstoffs, insgesamt 2.200 Tonnen Schweröl, ausgeflossen. Zudem sollen zahlreiche Container, die auf dem Deck geladen waren, ins Meer gefallen sein.

Die Reaktionen

Die vom Kapitän alarmierten Behörden haben sofort die vorgesehenen Maßnahmen zur Prävention einer Ölpestkatastrophe ergriffen. Vier spezialisierte Schiffe sind unterwegs in die Zone, wo sie versuchen sollen, einen Teil des Treibstoffs zu bergen. Aus der Luft wird beobachtet, wie rasch das ausgeflossene Schweröl in Richtung Küste getrieben wird. Der Parteisprecher der Grünen (EELV), Yannick Jadot, sprach im Zusammenhang mit diesem Schiffbruch von einer „Nachlässigkeit“ bei der Sicherheit im Schiffsverkehr.

Statt die Aufsicht zu verschärfen, würden unter dem Einfluss der Lowcost-Reeder „die Sozial-, Sicherheits- und Umweltregeln ständig nach unten korrigiert“. Vor dem Senat erwiderte Umweltminister François de Rugy, die europäische Agentur für die Sicherheit des Schiffstransports wache im Gegenteil über „sehr strikte Kontrollen“: Ein Schiff, das in einen europäischen Hafen einlaufe, werde inspiziert, versichert de Rugy.

Die Konsequenz

Corinne Lepage, eine von früheren Ölkatastrophen her bekannte Anwältin, hält es für „unvermeidlich“, dass in den kommenden Tagen das Öl der „Grande America“ die französische Küste mit dunklen, klebrigen und umweltschädlichen Klumpen verschmutzen werde. Aufgrund der ausgeflossenen Menge seien die Folgen aber nicht mit der dramatischen Ölpest des 1999 vor der Bretagne gesunkenen Tankers „Erika“ vergleichbar. Ein schwacher Trost.

Rudolf Balmer, Paris