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Mossads Top-Agent Rafi Eitan, der Adolf Eichmann nach Israel entführte, ist tot

Foto: ap

Es war dieser eine Moment im Leben von Rafi Eitan, in dem er Geschichte geschrieben hat. Am 11. Mai 1960 wartete der israelische Mossad-Agent mit drei Mitarbeitern an einer Bushaltestelle in der argentinischen Hauptstadt Buenos Aires, als dort ein Mann mittleren Alters ausstieg. „Ich griff ihn mit solch einer Kraft am Nacken, dass ich sehen konnte, wie sich seine Augen weiteten“, erzählte Eitan Jahre später in einem Interview.

Das Kommando verfrachtete den Mann in ein wartendes Auto und fuhr zu einem vorbereiteten Versteck. Sie blieben dort sieben Tage. Dort gestand der Mann mit der Stirnglatze, der sich Ricardo Klement nannte, seine wahre Identität: Er sei Adolf Eichmann, der Organisator der Judendeportationen der Nazis in die Vernichtungslager.

Eitan und sein Team steckten Eichmann in die Uniform eines Crew-Mitarbeiters der Fluglinie El Al, zwangen ihn, eine Flasche Whiskey zu trinken und brachten den Torkelnden an Bord eines Flugzeugs, Ziel Tel Aviv. Zwei Jahre später wurde Adolf Eichmann, verurteilt wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit, gehenkt.

Rafi Eitan blieb beim Mossad – und stieg auf. Der 1926 in einem Kibbuz im britischen Mandatsgebiet Palästina geborene Sohn russischer Einwanderer war schon als Teenager der paramilitärischen Gruppe Haganah beigetreten und wechselte später zur Elitetruppe Palmach. Nach der Eichmann-Entführung zog Eitan 1981 die Fäden beim israelischen Luftangriff auf das vom irakischen Diktator Saddam Hussein errichtete Atomkraftwerk Osirak. Er soll dabei gewesen sein, als die Israelis angereichertes Uran aus einer Nuklearanlage in Pittsburgh stahlen, um selbst zur Atommacht zu werden; er befehligte Mossad-Kommandos, die die Terroristen des Münchner Olympia-Attentats von 1972 verfolgten; ihm unterstand Jonathan Pollard, der für Israel in den USA spionierte und 1985 aufflog.

Wir wissen nicht genau, was Eitan sonst noch getrieben hat. Nur so viel: Er habe „etwa ein Dutzend historische Operationen geleitet, die noch für viele Jahre geheim bleiben werden“, erklärte jetzt der Chef des israelischen Inlandsgeheimdienstes Schin Beth.

Doch auch dafür, dass effektive Geheimdienstler im hohen Alter nicht unbedingt intelligente Politiker sind, steht Rafi Eitan. Denn nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst beließ der verheiratete Vater dreier Kinder es nicht bei seinem Hobby, Skulpturen zu schaffen. Eitan gründete eine Rentner-Partei, zog mit 79 Jahren in die Knesset ein und brachte es bis zum Seniorenminister. 2018 tauchte er bei einer AfD-Veranstaltung in Berlin auf und ließ dort verlauten, er hoffe, dass „die AfD nicht nur eine Alternative für Deutschland sein wird, sondern eine Alternative für Europa“. Zurück in Israel erklärte er bald darauf, er bedauere seine Unterstützung für die AfD.

Am Samstag ist Rafi Eitan im Alter von 92 Jahren in Tel Aviv gestorben. Premierminister Benjamin Netanjahu würdigte ihn als „einen der Helden des Geheimdienstes des Staates Israel“. Klaus Hillenbrand