Annies Würstchenbude

Die besten Hot Dogs Dänemarks ziehen Deutsche magisch über die Grenze. Das Ziel: ein kleiner Kiosk in Sønderhav

Was soll man von einem Grenzübergang halten, von dem gesagt wird, er sei der kleinste der Welt? Besagter Grenzübergang trennt Deutschland und Dänemark. Oder besser gesagt: verbindet. Autos können hier nicht fahren, denn viel mehr als eine kleine Holzbrücke über einen schmalen Bach ist er nicht. Übrigens ist dies die einzige Brücke zwischen Deutschland und Dänemark. Gerade mal breit genug, dass sich zwei geschobene Räder nicht berühren.

An schönen Tagen gondeln wahre Heerscharen von Radfahrern über den Grenzübergang, alle mit einem Ziel: Sønderhav. Nicht weil im dortigen Wäldchen so an die 30 Hünengräber lägen, nein, das lockt eher die Kulturbeflissenen. Was alle lockt, ist viel profaner, nämlich Annies Kiosk. Annie ist eine grenzüberschreitende Institution! Eigentlich nicht viel mehr als eine kleine gelbe Bude an einem recht großen Parkplatz mit einer Hand voll grüner Tische und Bänke. Das war’s schon. So richtig schön unscheinbar, dass jeder Unwissende glatt daran vorbeifährt. Was aber kaum jemand macht, denn wer hierher kommt, weiß, warum. Bei Annie gibt es nämlich die besten Hot Dogs weit und breit. Je nach Sichtweite von ganz Dänemark oder vom ganzen Universum.

Da sich so etwas schnell herumspricht, nämlich sowohl diesseits als auch jenseits der Grenze, stehen die Hungrigen hier regelmäßig Schlange. Kein Wunder, dass der winzige Ort Sønderhav bei Insidern mittlerweile auch Hot-Dog-Hav heißt. Und Insider gibt es genug. So treffen sich beispielsweise hier jeden Dienstag und auch den ersten Sonntag im Monat die Motorradfahrer. Zum Kaffeeklatsch. Denn die harten Jungs kommen zusammen, fachsimpeln, plaudern, begutachten die Maschinen der anderen. Und trinken Kaffee. Nichts als Kaffee. Die erste Tasse muss bei Annie nämlich bezahlt werden, danach wird kostenlos nachgeschenkt, bis die Hände zittern.

Aber ohne Hot Dog fährt sowieso niemand weg. Bei Annie gibt es die übliche Palette: die einfache Variante (18 Kronen) oder die Ristet-Version (20 Kronen). Bei Letzterer wird das rote Würstchen (mit viel Farbstoff, aber egal) noch kurz angebraten. Das Würstchen landet in jedem Fall in einem aufgeschnittenen Wabbelbrötchen. Mit hineingestopft werden noch Senf, Remoulade, Gurkenscheiben und natürlich Zwiebel.

Und so hocken sie dann alle friedlich-gemütlich, oder wie es auf gut Dänisch heißen würde: „hyggelig“ zusammen und vollbringen wahre Kau-Akrobatik: Deutsche, Dänen, Biker, Radler, Cabriofahrer. Gucken versonnen aufs Wasser hinüber zu den Ochseninseln.