das portrait

Matthias Miersch kriegt neuen Posten

Soll für die SPD Stimmen binden: Matthias MierschFoto: dpa

Geht es um die Zukunft der SPD, blickt man gerade nach Bremen. Bei der Bürgerschaftswahl am 26. Mai könnten die Sozialdemokraten eines ihrer wichtigsten Stammländer an die CDU verlieren. Dabei ist der Bezirk Hannover für die SPD nicht weniger bedeutend. Dort hat die Partei gerade einen schweren Schlag hinnehmen müssen: Hannovers Oberbürgermeister und SPD-Bezirkschef Stefan Schostok ist wegen Untreuevorwürfen zurückgetreten. Sein Nachfolger als SPD-Bezirkschef soll Matthias Miersch, 50, werden, gebürtiger Hannoveraner, bis vor Kurzem SPD-Chef des Unterbezirks Hannover und weder aus der Landes- noch aus der Bundespolitik wegzudenken.

Seit 2005 ist Miersch auf einem Hannover-Ticket im Berliner Bundestag, dort Vizefraktionschef seiner Partei und seit 2015 Sprecher der parlamentarischen Linken. Der Jurist hat sich auf Umweltpolitik spezialisiert, wird in Fachkreisen ernst genommen und gilt als überaus ehrgeizig. Klingt gut, kann aber ein Dilemma sein. Denn wer in der SPD etwas werden will, ist gut beraten, lieber friedlich als enervierend zu sein. Ansonsten kann es einem so gehen wie etwa Hilde Mattheis. Die Parteilinke hat auf Bundesebene vehement den Austritt der SPD aus der Großen Koalition gefordert und wurde dafür von ihren Leuten ins Aus gestellt.

Das will Miersch ganz sicher nicht. Also versucht er, nach allen Seiten auszugleichen: Als Vizefraktionschef glättet er die Wogen, wenn die Angriffe gegen seine Chefin Andrea Nahles allzu heftig werden oder er den Klimaschutz im Koalitionsvertrag verteidigen muss. Das wiederum kollidiert mit seiner Rolle als Sprecher der parlamentarischen Linken, von der man gemeinhin Radikalität erwartet. Mit Geschmeidigkeit und Smartness versucht er indes, beiden Rollen gerecht zu werden.

Ungeachtet dessen bindet Miersch Stimmen, die die SPD dringend braucht. Der niedersächsische Landesverband steht immer wieder in der Kritik, sei es bei der Umwelt- und Agrar­politik, beim Umgang mit den Wölfen, beim Polizeigesetz. Am 22. Juni will die SPD Hannover auf dem Bezirksparteitag Miersch zu ihrem Chef wählen. Simone Schmollack