Die Woche

Wie geht es uns, Herr Küppersbusch?

Die Seite "Wikileaks" wird für den Nobelpreis nominiert und Christian Wulff sucht die Nähe übler Unternehmer.

taz: Herr Küppersbusch, was war schlecht in der vergangenen Woche?

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Friedrich Küppersbusch: Keine Aktionswoche mit herabgesetzten Trauerartikeln bei Aldi.

Was wird besser in dieser?

Alfred Nobel raunt aus dem Grab einen weiteren Preis für digitale Heldentaten und nominiert "Wikileaks".

Lange hat die Union für die Fußfessel geworben, jetzt ist ihr diese Maßnahme plötzlich zu lasch. Soll man die Täter doch lieber länger wegsperren?

Darf man aber nicht, ätsche. Sagt der Europäische Menschenrechtshof: "Nulla Poena sine lege", klingt wie ein cooler Albumtitel für eine Gothicband und ist auch ein Urquell der Gerechtigkeit: "Keine Strafe ohne Gesetz". Untherapierbare und gemeingefährliche Schwertsverbrecher dürfen nicht mehr - wie bisher üblich - "nachträglich sicherheitsverwahrt werden". Denn das verstößt gegen das o. g. "Rückwirkungsverbot". Heißt: die Behörden müssen Höchstgefährliche laufen lassen. Die sollen dann wenigstens, so der FDP-Plan, Fußfesseln tragen. Die Union besorgt, dass dies pathologische Kandidaten nicht am Wiederholungstätern hindern könne, und das ist eine humanere Formulierung für SPD-Schröders "Wegsperren, und zwar für immer". Und dass ich den Gedanken durchaus verstehen kann, muss am Alter liegen. Z. B. dem meiner Tochter.

Christian und Bettsy Wulff haben Urlaub in der Villa des Unternehmers Carsten Maschmeyer gemacht. Macht Wulff jetzt demnächst die Ulla Schmidt?

Das geht halt nicht. Auch jenseits des Hinweises, dass er Charterflug und Miete eines Appartements selbst bezahlt habe: die Nähe zu übel beleumundeten Schacherern, die gestern noch Schröder gesponsert und morgen sonst wen Brauchbares anfüttern, ist nicht mehr die Nähe der Person Wulff. Sondern, solange er das Amt ausübt, eine Nähe des Staates. Wullf lernt schnell, hier isses dringend nötig. Maschmeyer hatte Zeitungsanzeigen für Schröder gegen Wulff geschaltet und später dann das "Riester"-Gesetzgebungsverfahren zur privaten Rentenversicherung "beraten". Das macht Sinn für einen "Finanzdienstleister", der Privatrenten verkaufen will. Und dann die Frisur. Da kommt einiges zusammen.

Nachdem ein elfjähriger Drogendealer aufgegriffen und in sein Kinderheim zurückverfrachtet wurde, fordert der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit geschlossene Heime für kriminelle Jugendliche. Gute Idee?

Nachdem er ein Jahr vor seiner Landtagswahl so redet, möchte man nicht so dringend wissen, wie er eine Woche vor der Wahl dröhnen wird. Gute Nachricht: Das klingt nicht so, als wolle er fehlende Wählerstimmen bei den Grünen holen.

Duisburgs Bürgermeister Adolf Sauerland weigert sich zurückzutreten. Er fürchtet, sonst die Schuld am Tod von 21 Menschen auf sich zu nehmen. Hat er recht?

Als er anfing, sich zu weigern, waren es noch 19 Tote. Dieser Ringelreihen der Entseelten, die nun seit einer Woche gegenseitig den Rücktritt fordern: Drollig. Ich stelle mir vor, wer alles aufs Foto gewollt und jovial Huldigungen entgegengenommen hätte - wenn die LoveParade ein großes friedliches Fest, ein medial zu reklamierender Erfolg geworden wäre. Alle. Alle, die jetzt den jeweils anderen zum Rücktritt auffordern. Wären dann sehr gerne verantwortlich gewesen. Können sie nun sein. Weg mit denen.

Kurz nach seiner Scheidung von Veronica Larion ist auch Berlusconis politische Ehe mit Gianfranco Fini zerbrochen. Dennoch geht der Mann am Ende aus allen Skandalen als Sieger hervor. Warum?

Ja, und warum gibt es in Italien keine Intellektuellen, denen Wirksames gegen den Schmierlapp gelänge? Und warum gewöhnt sich die EU an einen Jenseitsdemokraten als folkloristische Bereicherung? Haider, Fortuyn, Wilders - haben die nur den Fehler gemacht, ihre Wahlen nicht zu gewinnen? Und sind das nicht zu viele rhetorische Fragen? Viermal ja. Immerhin eine schöne Mahnung, wenn sich hier feiertags ale als "längst gefestigte Demokratie" auf die Schulter klopfen. Dacht Italien auch mal.

Und was machen die Borussen?

Prozessieren arbeitsgerichtlich gegen den bisherigen Fahrer ihres Mannschaftsbusses. Der habe sich zu oft verfahren und es gebe atmosphärische Störungen. Er möchte nun "an anderer Stelle im Verein" eingesetzt werden. Gibt es Aufsitz-Rasenmäher mit Navi? Oder mit leerem Bus jede Woche Schalke erschrecken? Oder nach Köln fahren, aussteigen und "Na, da habe ich mich mit diesem Erstliga-Mannschaftsbus aber wieder verfahren!" lachen.

ALM

 
02. 08. 2010
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