Zum Mond, zum Mars, zur Raumstation

Die nächste Generation der Raumtransporter wird bereits entwickelt. Doch die Shuttle-Pannen erhöhen den Druck

BERLIN taz ■ Egal, ob die Reparatur der Discovery heute klappt oder nicht – die nächste wird folgen. Auch die milliardenschwere Modernisierung der Flotte nach dem Columbia-Unglück kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die seit 25 Jahren eingesetzten Shuttles sind eigentlich reif für das Raumfahrtmuseum. Zwar sollte das Shuttle-Trio eigentlich noch 28 Flüge zur Internationalen Raumstation (ISS) überstehen. Doch schon vor dem Start der „Discovery“ sagte Nasa-Direktor Michael Griffin, diese Zahl sei illusorisch.

Wenn die Shuttles aber nicht mehr fliegen, droht der ISS ein Versorgungsengpass auch mit Bauteilen. Deshalb macht die Nasa Druck bei der Entwicklung eines neuen Raumschiffes: des Transporters CEV. Das Kürzel steht für Crew Exploration Vehicle und ist Teil des größeren Projekts „Constellation“, das US-Präsident George W. Bush im Januar 2004 angekündigt hatte. Bis spätestens 2020 sollen wieder Nasa-Astronauten auf dem Mond landen und dort eine Basis für eine bemannte Mars-Erkundung vorbereiten. Das neue „Crew Exploration Vehicle“ soll die Astronauten das erste Mal nach der Apollo-17-Mission von 1972 über die nahe Erde hinaustragen – erst zum Mond, dann zum Mars.

Die neue Raumfähre soll bereits zehn Jahre früher als geplant die alten Shuttles ablösen

Der Start der neuen Raumfähre werde nun bereits für 2010 angestrebt, teilte Nasa-Direktor Michael Griffin im Mai mit. Schon in drei Jahren sollen zwei Prototypen unterschiedlicher Hersteller zu Testzwecken unbemannt in eine niedrige Erdumlaufbahn geschossen werden.

Im Wettbewerb stehen zwei amerikanische Rüstungskonzerne: Lockheed Martin entwickelt einen Raumgleiter für vier bis sechs Astronauten, der auf der Spitze einer Trägerrakete ins All geschossen wird. Die Konkurrenz von Northrop Grumman arbeitet gemeinsam mit Boeing an einem Raumkapselkonzept.

Den Fliesenkleber für die Schutzkacheln können die Astronauten wohl aber demnächst auf der Erde lassen. Denn zumindest der Entwurf von Lockheed sieht eine Außenhaut aus Titan und zwei wärmedämmende Schichten vor. Brennt der erste Hitzeschild durch, bliebe die Mannschaft dennoch durch die zweite Schicht geschützt.

FABIAN KRÖGER