„Bedrückende Fotografie“

Fotokünstler Jeff Wall inszeniert den Alltag

taz: Frau Völker, was haben Sie zuletzt fotografiert?

Andrea Völker: Die Dächer von Hamburg.

Ein inszeniertes Foto?

Nee, eher eine Momentaufnahme. Ich war bei einer befreundeten Künstlerin auf ihrem Dach. Man konnte über Hamburg blicken, ich fühlte mich zu Hause, da hab ich abgedrückt.

Sie referieren heute über ihn: Würde Jeff Wall auch so ein Foto schießen?

■ 25, studiert Illustration an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften und ist kuratorische Assistentin in der Kunsthalle.

Zumindest nicht in seiner Kunst. Er zeigt auch alltägliche Dinge, eine Küche, Menschen auf der Straße oder sein Atelier. Aber er bricht dann mit den Erwartungen, indem jede Requisite, jeder Schauspieler, jeder Lichteinfall genau platziert sein muss. Und so entsteht mit den Mitteln der Malerei eine oft bedrückend wirkende Fotografie.

Was hat das mit der Ausstellung „Lost Places“ zu tun?

Wall ist einer der Pioniere der Lost Places! Er inszeniert rätselhafte Orte, eigentlich findet man sich als Betrachter in ihnen wieder, aber irgendetwas stimmt nicht. So überschreibt er das kollektive Gedächtnis, auch weil er sich immer wieder auf Popkultur oder die Kunstgeschichte bezieht.

Warum ist das für Sie spannend?

Genau diese Verknüpfung fasziniert mich. Wall kommt aus der Kunstgeschichte, bezieht sich oft in seinen Arbeiten darauf. Bei mir ist es umgekehrt.

Was halten Sie von inszenierten Orten?

Ich finde einen Ort spannend, wenn er ein Gefühl hervorruft und man Bestehendes zu hinterfragen beginnt. Wenn einfach nur eine Fassade interessant aussehen will, dann finde ich das langweilig. INTERVIEW: ARS

Vortrag: Jeff Wall – Insomnia, in der Ausstellung „Lost Places“: 12 Uhr, Hamburger Kunsthalle im Lichthof, Glockengießerwall