Streit der Woche: Gibt es die DDR noch?
Seit 20 Jahren ist Deutschland wiedervereinigt. Doch in den Köpfen der Menschen scheint es die DDR noch zu geben. Oder sind das alles nur "Ossi"-Vorurteile?
BERLIN taz | Ist nun alles schön? Sind zwanzig Jahre nach der Unterzeichnung des Einigungsvertrags alle harmonisch vereint? Kann man überhaupt noch von Ost und West sprechen? Die Unterscheidung zwischen Ost und West spiele für junge Menschen keine Rolle mehr, meint zumindest Lothar de Maizière, der letzte DDR-Ministerpräsident. Deutschland wachse nun zusammen.
Früher wäre alles besser gewesen, davon sind Nostalgiker noch heute überzeugt. Im Osten, da gab es noch Werte wie Solidarität, Gemeinschaft, Ehrlichkeit. Ostdeutschland, das ist der Einkauf im Konsum-Laden, Rotkäppchensekt, Bambina Schokolade, das Sandmännchen. Für diese Menschen lebt die DDR weiter. In ihren Köpfen, ihrem Blick auf die Vergangenheit und dem Gefühl, vom Westen diskriminiert zu werden. Und so wie es den Konsum und das Sandmännchen noch gibt, gebe es im Osten auch die alten Tugenden.
Betrachtet man Zahlen und Fakten, gibt es aber auch sichtbare Unterschiede: Die Arbeitslosigkeit ist im Osten doppelt so hoch wie in Westdeutschland, es gibt doppelt soviele Hartz-IV-Empfänger und das Lohnniveau ist immer noch niedriger als im Westen. Außerdem werden politische Entscheidungen zu großen Teilen von Westdeutschen gefällt. Es reicht ein Blick in das Regierungskabinett, um sich davon ein Bild zu machen. Sind diese Unterschiede Überbleibsel der DDR – oder eine eigene Entwicklung nach der Wiedervereinigung?
Lesen Sie die Antworten von Experten, Prominenten und taz.de-Lesern zum Streit der Woche in der sonntaz vom 28./29. August – erhältlich zusammen mit der taz am Kiosk oder direkt in Ihrem Briefkasten. Wollen Sie mit dabei sein? Dann schicken Sie uns Ihren Kommentar an streit@taz.de. Mehr dazu im Kasten rechts oben.
Einige Ostdeutsche fühlen sich ungerecht behandelt von sogenannten Besserwissern aus dem Westen und nicht genügend anerkannt, sondern eher belächelt. Stereotype über „die Ossis“ gibt es noch immer: über ihr „einfaches Gemüt“, den Camping-Urlaub mit der Familie an der Ostsee, das Leben in öden Plattenbauten. Der Osten liege dem Westen nur auf der Tasche, heißt es oft. Im letzten Jahr beispielsweise flossen 5,8 Miliarden Euro an Finanzausgleichsgeldern in die neuen Bundesländer.
Auf der politischen Landkarte ist Deutschland als ein Staat erkennbar. Jedenfalls auf den neu gedruckten. Doch reichte es, eine politische Grenze von der Karte zu löschen, um die Menschen von der Einheit Deutschlands zu überzeugen? Oder entstehen die Grenzen im Kopf?
Die DDR scheint für manche noch immer präsent zu sein. Oder ist in Wirklichkeit die Ost-West-Vergangenheit für uns kein Thema mehr?
Was meinen Sie, gibt es die DDR noch?
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen
meistkommentiert