Die Halbwertzeit der Liebe

ROMKOM Mit „Das verflixte 3. Jahr“ hat Frédéric Beigbeder einen eigenen Roman verfilmt. In der romantischen Komödie zieht er auch den Literaturbetrieb durch den Kakao

Früher hat man – wie von Billy Wilder 1955 in „The Seven Year Itch“ für alle Zeiten verewigt – vom „verflixten 7. Jahr“ gesprochen, das eine Ehe auf dem Weg zum jahrzehntelangen Glück nur irgendwie zu überstehen hat. Dann haben Wissenschaftler irgendwann herausgefunden, dass man seinen Partner nach spätestens vier Jahren Beziehung nicht mehr länger idealisieren kann. Ihn dann also wohl oder übel so nehmen muss, wie er oder sie eben ist. Oder sich gegebenenfalls trennt. Und nun sagt Frédéric Beigbeder, dass Partnerschaften schon im dritten Jahr an diesen kritischen Punkt kommen. Und eigentlich auch nicht darüber hinaus – eigentlich...?

Wie viele französische Komödien folgt Beigbeder den von Hollywood gründlich eingeschliffenen Erzählmustern

Beigbeders Verfilmung seines vor 15 Jahren erschienenem auf eigenen Erlebnissen beruhendem Roman „Die Liebe währt drei Jahre“ ist eine romantische Komödie. Und da gibt es bekanntlich – auch in der französischen Spielart des Genres – die Hoffnung, dass das mit der Liebe ewig hält. Diese Hoffnung hat Begbeiders alter ego Marc Marronnier (Gaspard Proust) zu Beginn des Films endgültig verloren. Wenn er sie überhaupt je hatte: Nach einer gründlich gescheiterten Ehe hat der Literaturkritiker und Gesellschaftsreporter einen Roman mit ebenjenem Titel geschrieben, in dem er seine ganz persönliche Bilanz zieht: „Im ersten Jahr kauft man die Möbel. Im zweiten Jahr stellt man sie um. Im dritten Jahr teilt man sie auf.“ Als das unter dem Pseudonym Feodor Belvedere veröffentlichte Buch sich zum Bestseller mausert, wird aus Marronnier durch zahlreiche Talkshowauftritte eine Art Medienstar.

Und wie es das Schicksal will, trifft der Autor in diesem Moment die schöne Alice (Louise Bourgoin) – und verliebt sich Hals über Kopf in sie. Wie man es in Sachen Dramaturgie eigentlich eher aus amerikanischen Komödien kennt, erhält die Liebe erst einmal einen Dämpfer als Alice, die das Buch hasst, irgendwann erfährt, wer sein Verfasser ist.

Wie viele der zurzeit überaus erfolgreichen französischen Komödien folgt Beigbeder in seinem Regiedebüt weitgehend den von Hollywood gründlich eingeschliffenen Erzählmustern. (So ist etwa der Megaerfolg „Ziemlich beste Freunde“ ein typisches Buddy-Movie). Wenn auch seine zahlreichen Zynismen dort mehr oder weniger mit Billy Wilder ausgestorben sind. Eine so legendäre sloganartige Dialogzeile wie dessen „Nobody’s Perfect!“ aus „Some Like It Hot“ würde der ehemalige Werbetexter Beigbeder („39.90“) sicher auch gern einmal kreieren.

Aber es gibt auch unverkennbar Französisches in „Das verflixte 3. Jahr“: Zunächst einmal sind dies die zahlreichen Referenzen an die Filmgeschichte, vor allem an die Arbeiten der Nouvelle Vague. So sieht man Marc und Alice einmal lesend im Bett wie einst Jean-Pierre Léaud und seine Frau in Truffauts „Tisch und Bett“ von 1970. Michel Legrand, der Komponist so romantischer Filmmusiken wie der von Jacques Demys „Die Regenschirme von Cherbourg“ tritt gar persönlich auf. Die vielleicht subtilste Anspielung ist die an Stanley Kubricks „Eyes Wide Shut“, wenn die Bilder des wie im Rausch schreibenden Marronnier mit den Klängen des dort verwendeten Walzers von Schostakowitsch unterlegt sind.

Natürlich lässt Beigbeder es sich darüber hinaus nicht nehmen, den Literaturbetrieb, dem er selber angehört, gehörig durch den Kakao zu ziehen. Gegen Ende lässt er gar die Philosophen Alain Finkielkraut und Pascal Bruckner, die in den siebziger Jahren einen Essay über die „neue Liebesunordnung“ geschrieben hatten, über den Roman seines Helden und damit auch seinen eigenen diskutieren. Wie ehrlich Beigbeders selbstironische Brechungen wirklich gemeint sind, muss am Ende natürlich jeder für sich selbst entscheiden.