WAS MACHT EIGENTLICH ... Irmela Mensah-Schramm?

Einen Preis fürs Putzen bekommen

Seit 19 Jahren entfernt und übermalt Irmela Mensah-Schramm rechtsextremistische und ausländerfeindliche Schmierereien. Ein Hakenkreuz in der S-Bahn-Trennwand wird überkratzt, ein NPD-Plakat übermalt, Naziaufkleber werden abgeweicht. Egal wie, die Sprüche und Zeichen des Hasses sollen verschwinden. Jedoch nicht für immer. Die 59-jährige Heilpädagogin fotografiert alle Ärgernisse, bevor sie sie unkenntlich macht. Daraus ist ein ganzes Graffitiarchiv entstanden.

Gestern hat Frau Mensah-Schramm für ihr Engagement den Erich-Kästner-Preis vom Dresdner Presseclub verliehen bekommen. Es ist nicht ihre erste Auszeichnung. Eine Bundesverdienstmedaille gab sie zurück, das „Band für Mut und Verständigung“ behielt sie. Der Liedermacher Gerhard Schöne machte sie mit dem Lied „Die couragierte Frau“ zu einer seltsamen Heiligen – so der Titel des Albums.

Während ihrer Arbeit wird Mensah-Schramm hingegen selten geehrt. Viele Passanten beschimpfen sie, mehrere Verfahren gegen sie wurden eingestellt. Mit den Worten: „Hier ist eine Frau, die hat Schmierereien beschmiert“, wurde einmal die Polizei gerufen.

Dennoch macht sie weiter, angetrieben von dem Wissen, dass diese Zeichen von Intoleranz nicht verschwinden, wenn man sich nur darüber ärgert.

Der Erich-Kästner-Preis ist mit 10.000 Euro dotiert, davon kann Irmela Mensah-Schramm nun jede Menge Lösungsmittel und Spachtel kaufen. Ein Blick in die S-Bahn-Waggons beweist: Es gibt viel zu tun, und irgendwie wird es kein bisschen weniger.