Schweres Erdbeben in Neuseeland: Behörden befürchten Plünderungen
Weite Teile der Innenstadt sind zerstört, der Wiederaufbau wird mehr als ein Jahr dauern: Die Stadt Christchurch in Neuseeland hat am Samstag das schwerste Erdbeben seit 90 Jahren erlebt.
SYNDNEY taz | Am Samstagmorgen um 4.36 Uhr Ortszeit erschütterte das mit 7,1 auf der Richterskala folgenschwerste Erdbeben in fast 90 Jahren die neuseeländische Südinsel. Es sei ein "riesiges Glück, dass dabei niemand ums Leben gekommen ist", meinte der Chef der Zivilschutzbehörde, John Hamilton. Bis am Sonntagabend meldeten die Behörden zwei Schwerverletzte. Ein Mann starb an einem Herzinfarkt.
Das Ausmaß der Schäden an Infrastruktur und Gebäuden in der historischen Stadt Christchurch dagegen ist enorm. Mehr als 500 Geschäftshäuser wurden beschädigt; bis zu 20 Prozent aller Häuser der Stadt sind ersten Untersuchungen zufolge unbewohnbar. 250 Bewohner mussten die Nacht auf Sonntag in Notunterkünften verbringen, weil ihre Häuser komplett zerstört waren. Das Epizentrum des Erdbebens lag in 10 Kilometer Tiefe etwa 40 Kilometer westlich von Christchurch. In der Nacht und am Sonntag kam es zu einer Reihe von Nachbeben. Das schwerste erreichte die Stärke 5,4.
Nachdem die Behörden wegen Plünderungen und der Gefahr einstürzender Gebäude am Samstag eine Ausgangssperre verhängt hatten, wurden am Sonntag einzelne Geschäftsleute in die Innenstadt gelassen. "Wohin auch immer ich schaue - die Zerstörung ist überwältigend", meldete Peter Townsend von der Handelskammer Christchurch. Es werde mindestens ein Jahr dauern, bis die Schäden behoben seien, meinte Premierminister John Key, der das Gebiet noch am Samstag inspizierte. Nur Stunden nach dem Erdbeben stürzte in der Nähe des ebenfalls auf der Südlinsel gelegenen Fox-Gletschers ein Flugzeug ab. Neben einer Frau aus Baden-Württemberg starben drei Touristen aus Irland, Großbritannien und Australien, vier Fallschirmsprunglehrer und der Pilot. Die Ursache des Unglücks ist nicht bekannt.
Neuseeland ist eines der geologisch aktivsten Gebiete der Welt, erklärt Brad Scott von der Vulkanbeobachtungsbehörde Geonet Project in Rotorua. Als Teil des sogenannten pazifischen Rings des Feuers schiebt sich vor der Nordinsel Neuseelands die Pazifische Platte von Osten her unter die Australische Platte. Das führt in der Erdkruste zum Aufbau gewaltiger Mengen Energie, die sich in Form von Erdbeben entladen. Laut dem Vulkanologen und Experten für Naturkatastrophen gibt es pro Jahr in Neuseeland rund 15.000 Erdbeben, die meisten sind aber kaum spürbar. Das letzte folgenschwere Erdbeben kostete 1931 in der Stadt Napier mehr als 250 Menschen das Leben.
Das stärkste Beben der jüngeren Geschichte ereignete sich 2009 in der dünn besiedelten Region Fjordland im Süden der Südinsel Neuseelands. Es erreichte die Stärke 7,8. Seismologen errechneten damals, die Südspitze Neuseelands habe sich durch die Wucht der Erdstöße 30 Zentimeter näher an Australien herangeschoben. Der Geologe Richard Norris von der Universität Otago prognostiziert, die Inselnation werde innerhalb der nächsten 50 Jahre von einem Beben der Stärke 8 erschüttert. "Das von gestern war nicht das große Beben", warnte der Experte am Sonntag.
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