Viel Geld und wenig Fehler

KOMMENTAR VON DOMINIC JOHNSON

Die Bilanz kann sich sehen lassen. Milliardenhilfen stehen für den Wiederaufbau der Flutregionen Asiens zur Verfügung, die Verwaltungsapparate von Gebern und Empfängern haben effizient gearbeitet. Sie mussten nicht, wie sonst bei Katastrophen und Krisen, den Großteil ihrer Zeit für das Betteln um Spenden aufwenden. Das zeigt: Manchmal liegt es eben doch am Geld.

Selten war eine internationale Hilfsaktion so erfolgreich wie die für Asiens Tsunami-Opfer. In vielen anderen Fällen, von der Hungersnot in Niger bis zur Kriegsopferversorgung in Kongo, scheitern Hilfsaktionen an Finanzmangel. Der sorgt für Energie verschwendende Verteilungskämpfe und Kompetenzgerangel; er zwingt Helfer dazu, die mediale der tatsächlichen Wirkung vorzuziehen. Sobald solche Zwänge fallen – wie jetzt in Asien –, können die Hilfswerke zielstrebiger arbeiten.

Anlass, sich auf Lorbeeren auszuruhen, gibt es trotzdem nicht. Gerade weil die Fluthilfe erfolgreich gewesen ist, sind die Mängel besser zu erkennen, die unabhängig vom Geld und von den äußeren Rahmenbedingungen existieren. Die Hilfswerke sind dafür zu loben, dass sie vor der kritischen Überprüfung ihrer eigenen Arbeit nicht zurückscheuen. Manche Defizite, die dabei zutage treten, sind bekannt, zum Beispiel die mangelnde Ortskenntnis der schnell entsandten Helfer.

Daran ist in Notsituationen wenig zu ändern. Ein anderes Defizit, das immer wieder genannt wird, ist jedoch struktureller Natur: die mangelnde Einbeziehung der lokalen Bevölkerung in Koordination und Planung mittel- und langfristiger Hilfsmaßnahmen. Es ist zwar ein Fortschritt, wenn die Helfer in Asien miteinander statt gegeneinander arbeiten. Aber sie sollten sich nicht nur absprechen, sondern auch die Menschen im Einsatzgebiet in ihre Strukturen einbeziehen – und zwar nicht über den Staat, sondern direkt über die bestehenden, gewachsenen Strukturen vor Ort.

Noch immer erkennen nicht alle Hilfsbürokraten, dass die besten Helfer die Betroffenen selbst sind, weil sie ihre Umstände, ihre Bedürfnisse und ihre Möglichkeiten am besten kennen. Wenn auch diese Lektion gelernt wird, ist die Fluthilfe in Asien wirklich ein Modell.