Während des Krieges gab es in Foca Vergewaltigungslager in Turnhallen, es wurde gefoltert. Focas heutiger Bürgermeister will die Region voranbringen und das geteilte Land einen.von ERICH RATHFELDER

Panoramablick auf Foca. Bild: Julian Nitzsche – Lizenz: CC-BY
Heute geht Hoffnung aus von diesem einstmals berüchtigten Ort im Tale der Drina. Die Stadt hat ihren alten Namen zurück, der serbische Bürgermeister Zdravko Krsmanovic wirbt für das friedliche Zusammenleben der Menschen in Bosnien und Herzegowina, diesem geteilten Land, das aus der muslimisch-kroatischen Föderation und der Republika Srpska besteht.
Während des dreieinhalb Jahre währenden Krieges war das in Südbosnien gelegene Foca, das heute zur Republika Srpska gehört, wohl einer der berüchtigsten Orte. Als im Mai 1992 bosnisch-serbische Truppen den Ort einnahmen, ermordeten und folterten sie hunderte muslimische Männer, zerstörten die 15 Moscheen des Ortes und missbrauchten hunderte von Frauen und Mädchen. Die Turnhalle der in Srbinje umgetauften Stadt wurde zum Vergewaltigungslager. Bis heute hat sich das zwischen Bergen liegende Städtchen wirtschaftlich und kulturell noch nicht vom Kriege erholt, der Bürgermeister jedoch möchte die Region voranbringen. "Und das geht nur über Zusammenarbeit und Überwindung der Teilung unseres Landes," sagt der schlanke 51-Jährige.
Deshalb hat Krsmanovic mit der stromabwärts kaum 30 Kilometer entfernten bosniakisch-muslimischen Enklave Gorazde vielfältige Kontakte geknüpft. Heute treffen sich Sportteams, es gibt gegenseitige Besuche und gemeinsame kulturelle Veranstaltungen, ein gemischtes Paar wurde zum Wohlgefallen des Bürgermeisters kürzlich getraut.
Doch die Führung der serbischen Teilrepublik sieht in den Aktivitäten Krsmanovic und seines Partners aus Gorazde, Muhamed Ramovic, eine Aufweichung der eigenen Machtposition. Der Ministerpräsident der Republika Srpska, Milorad Dodik, möchte die ethnische Teilung Bosniens beibehalten. Und so torpediert Banja Luka alle Versuche der Zusammenarbeit. Beispiel Müllbeseitigung: 10 Millionen Euro hat die Weltbank dafür zur Verfügung gestellt, allerdings unter der Bedingung, dass die serbischen Gemeinden mit der bosniakischen kooperieren. Das haben drei der neun serbischen Gemeinden abgelehnt, auf Wink aus Banja Luka. Damit liegt das Projekt auf Eis.
Bürgermeister Krsmanovic fordert mehr Autonomie der Gemeinden gegenüber der Zentralmacht in Bosnien und Herzegowina, auch als Kernpunkt einer Verfassungsreform. Deshalb bewirbt er sich bei der Parlamentswahl am 3. Oktober um ein Mandat. Seine Chancen stehen gut. Zweimal wurde das Mitglied der Neuen Sozialistischen Partei mit über 60 Prozent der Stimmen in Foca zum Bürgermeister gewählt. Laut Umfragen ist er der drittbeliebteste Politiker auf serbischer Seite, nach Ministerpräsident Milorad Dodik und Serbiens Präsident Boris Tadic, der natürlich nicht zur Wahl steht.
"Bosnien und Herzegowina ist mein Land, es ist wunderschön, wir haben gute Leute, wir könnten, wenn wir zusammenarbeiten, vor Serbien und Kroatien rangieren und einen Weg nach Europa finden", sagt Krsmanovic. "Europa und die USA sollten begreifen, dass mit dem Vertrag von Dayton 1995 unser Land ihr Baby geworden ist. Deshalb dürfen Europa und die USA das Kind nicht alleine lassen." Der Bürgermeister Gorazdes bewundert den Mut Krsmanovic. Viele Mitstreiter fürchten, Krsmanovic könnte einem Anschlag zum Opfer fallen. Der lächelt nur. "Sollten sie mich töten, werden andere meine Aufgabe übernehmen. Die Idee eines toleranten Zusammenlebens ist nicht zu töten."
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Leserkommentare
30.09.2010 08:58 | Sabine Voss
Also, liebe Safeta, ich werde nach Wuppertal kommen und schau zu, dass ich am 25., das ist ein Montag, bei lande. Vielleich ...