Tilman Zülch, Menschenrechtler

Der Mahnende

„Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich als Student allein die Welt nicht ändern kann“, sagt Tilman Zülch. Seit dieser Erkenntnis sind vierzig Jahre vergangen und trotzdem bestimmt sie ihn noch heute. Ende 1969 gründete der Menschenrechtler die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), die er seitdem leitet. Heute wird Tilman Zülch 70.

studierte Politik und VWL in Hamburg und engagiert sich seit 1968 für Menschenrechte

Mit der Studentenbewegung von 1968 kritisierte er den Krieg in Vietnam und dokumentierte in einer Wandzeitung, die er in der Uni Hamburg aushing, Menschenrechtsverletzungen in verschiedenen Ländern. Noch im selben Jahr wurde aus der Zeitung die „Biafra Hilfe“, eine Aktion gegen den Völkermord der Ibos in Biafra, das heute zu Nigeria gehört.

Ein Jahr später entstand daraus die Gesellschaft für bedrohte Völker, die in Deutschland mittlerweile von 15.000 Mitgliedern, Förderern und Spendern finanziert wird und 26 Mitarbeiter hat. Mit ihr setzt sich Zülch für ethnisch und religiös verfolgte Gemeinschaften ein und will dabei „Täter beim Namen nennen“. So gab er das erste Buch über die Naziverbrechen an Sinti und Roma heraus. „Wir konnten die Eigennamen ‚Sinti‘ und ‚Roma‘ anstatt ‚Zigeuner‘ durchsetzen und mit einer Medienkampagne 1982 den damaligen Kanzler Schmidt zur öffentlichen Anerkennung der NS-Verbrechen an ihnen bewegen“, sagt Zülch. An prominenten Unterstützern mangelt es ihm nicht: Namen wie Ernst Bloch und Günther Grass schmücken die Liste der Sympathisanten.

Ganz unumstritten ist Zülch aber nicht: Wegen seiner Mitgliedschaft in der „Stiftung gegen Vertreibung“ werfen ihm Teile der Linken vor, er stelle die Deutschen als eigentliche Opfer des Zweiten Weltkriegs dar und relativiere so NS-Verbrechen. „Jede Vertreibung und jeder Völkermord ist immer und überall ein Verbrechen“, sagt Zülch dazu. „Die Antifa begreift das nicht.“ Für die Zukunft wünscht sich Zülch vor allem, dass der Völkermord in Darfur gestoppt und Flüchtlingen in Deutschland geholfen wird. Und noch eines: „Ich will endlich einen in Menschenrechtsfragen konsequenten Nachfolger finden“, sagt er. Denn Ende des Jahres will er sich zur Ruhe setzen.